Vivo - Voller Leben

Filmplakat: Vivo - Voller  Leben

FBW-Pressetext

Inhalt: Wickelbär Vivo (auch bekannt als "Honigbär" aus dem Regenwald) verbringt seine Tage damit, zusammen mit seinem geliebten Besitzer Andrés den Menschen auf einem belebten Platz in Lateinamerika Musik vorzuspielen. Obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen, sind Vivo und Andrés durch ihre gemeinsame Liebe zur Musik ein perfektes Duo. Als Andrés einen Brief von der berühmten Marta Sandoval erhält, in dem sie ihren alten Partner zu ihrem Abschiedskonzert in Miami einlädt, liegt es an Vivo, eine Botschaft zu überbringen, die Andrés nie überbringen konnte: Ein vor langer Zeit geschriebenes Liebeslied an Marta. Doch um ins ferne Miami zu gelangen, muss Vivo die Hilfe von Gabi annehmen – einer energiegeladenen Teenagerin, die im Takt ihrer eigenen schrägen Trommel hüpft.

Bewertung: Schon beim ersten Song wird klar, was für eine bunte, schillernde und fröhliche Feier des Lebens und der Musik dieser Film ist. Der kleine Honigbär Vivo tanzt und singt beschwingt und verbreitet eine solch gute Laune, dass man sich als Zuschauer*in sofort von den lateinamerikanischen Rhythmen und der bunten Welt anstecken lässt. Das Setting des Films ist zeitlos schön und wird in all seiner Farbenpracht dargestellt. Die Figuren sind wohltuend individuell gezeichnet und folgen keinem Schönheitsdiktat. Andrés und Marta (im Original gesprochen von der Musiklegende Gloria Estefan) sind kein junges Liebespaar, sondern Menschen mit Lebenserfahrung, Gabis temperamentvolle Mutter darf Kurven haben und stellt sich als Alleinerziehende mit viel Power ihren Herausforderungen, und die Pfadfinderinnen, die sich Gabi zunächst in den Weg stellen, durchlaufen einen Lernprozess und verweisen dabei augenzwinkernd auf bekannte Klischees. Vivos Weggefährtin Gabi ist auf erfrischende Weise unkonventionell und bietet sich als Vorreiterin und perfekte Identifikationsfigur an. Sie ist abenteuerlustig, neugierig und will, nicht nur mit ihren lila gefärbten Haaren ihren eigenen Weg gehen. Genau wie Vivo muss sie mit dem Gefühl der Trauer und des Verlusts klarkommen und ihren Platz im Leben finden. Dieser Prozess verbindet die Beiden in einer einzigartigen Freundschaft– und holt viele junge Zuschauer in ihrer Erfahrungswelt ab. Dass in den knapp 90 Minuten auch für Erwachsene keine Langeweile aufkommt, liegt nicht nur an der spannenden und unterhaltsamen Geschichte, die viel Humor und ein gutes Tempo aufweist und für jüngere Zuschauer immer wieder auch Ruhemomente einbaut. Sondern auch an den mitreißenden Songs (komponiert von Lin-Manuel Miranda, bekannt durch HAMILTON und IN THE HEIGHTS, im Original die Stimme von Vivo), die als rasanter Mix aus lateinamerikanischen Rhythmen, Rap und Pop direkt ins Ohr und die Beine gehen.

Fazit: Ein wunderschön animiertes Roadmovie Musical mit mitreißender Musik, einer spannenden, lustigen und berührenden Geschichte und jeder Menge außergewöhnlicher Figuren. Ein Film für die ganze Familie, der mit der Kraft der Freundschaft und dem Zauber der Musik das Leben und die Liebe feiert.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Abenteuerfilm; Familienfilm; Musical
Regie:Kirk DeMicco
Drehbuch:Quiara Alegría Hudes; Kirk DeMicco
Kamera:Yong Duk Jhun
Schnitt:Erika Dapkewicz
Musik:Lin-Manuel Miranda; Alex Lacamoire
Länge:103 Minuten
VÖ-Datum:06.08.2021
Verleih:Netflix
Produktion: Columbia Pictures Industries, Sony Pictures Animation

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Einen Kinkajou kennen hierzulande sicherlich nur wenige Zuschauer und offensichtlich ist es in Miami nicht anders. Der kleine Honigbär Vivo lebt auf Kuba. Zusammen mit seinem Halter Andrés verdient er dort seinen Lebensunterhalt mit Straßenmusik. Andrés spielt die Trés (ein Saiteninstrument) und Kinkajou Vivo tanzt zur traditionellen kubanischen Musik. Zusammen sind sie ein großartiges Team. Dann aber trifft ein Brief aus Miami für Andrés ein. Seine Jugendliebe Martha Sandoval möchte ihre berufliche Karriere mit einem Gastauftritt Andrés‘ beenden. Aber bevor sich Andrés zur Fahrt entschließen kann, geschieht ein Unglück. Und Vivo erhält einen wichtigen Auftrag.

Als herausragend hebt die Jury die Animation mit ihren prächtigen Farben hervor, die aber nicht so detailreich ist oder sein will wie die Animation anderer bekannter großer Studios. Positiv wird vermerkt, dass die Figuren eben nicht den Klischees dieser Studios folgen und sich der Animationsstil in VIVO abwechselt. Gabi ist ein Mädchen, das mit ihren lila Haaren und unkonventionellem Style ihre Eigenständigkeit betont. Ihre Mutter verkörpert als Alleinerziehende eine selbstbewusste Frau. Auch mit den anderen Figuren wagt der Film etwas Neues. Ausgangspunkt der Story ist die ewig währende Liebe des schon älteren Duos Andrés und Martha Sandoval, die sich am Ende des Lebens noch einmal treffen wollen. Das Thema dieser alten Liebe zieht sich durch den gesamten Film. Im Grunde verhandelt der Film damit auch eine Migrationsthematik, die sich über drei Generationen hinweg zieht.

Sowohl Vivo als auch Gabi müssen ihre Trauer verarbeiten, beide bewegen sich auf einer ähnlichen Handlungsebene. Während Vivo, wie die Jury feststellt, dabei eher keine Entwicklung durchmacht, schafft es Gabi, den Verlust ihres Vaters zu verarbeiten. Beide sind kindgerechte positive Identifikationsfiguren, wahre Stehaufmännchen und versprühen ansteckende Lebensfreude, können aber auch mit Fehlern umgehen. Dadurch macht der Film den Zuschauern Mut. Und genau das sind wichtige Kriterien für einen Familienfilm.Mit seiner mitreißenden eingängigen Musik und seinem zeitlosen Setting spricht VIVO als Musical die unterschiedlichsten Zuschauersegmente an.

Eine gelungene Mischung aus Pop, Rap und Tradition, bei der die musikalische Tradition berücksichtigt wird, allerdings, wie die Jury anmerkte, vielleicht doch zu wenig kubanische Musik mitschwingt. Dafür kann aber die rappende Gabi mit ihrem neuen Musikstil gerade jugendliche Zuschauer gut mitreißen.

VIVO ist kein Film, der zwingend auf die große Leinwand gehört, was er aber als Netflix Produktion auch nicht muss. Trotzdem bedient VIVO das Motiv des großen Hollywood Finals, einem Traumkino, das keiner Logik folgt. Die Jury bedauerte es etwas, dass das Finale nicht mehr viel mit Kuba, dem Ausgangspunkt der Geschichte, zu tun hat.

Bei der Frage, warum Miamis Klimapolitik nicht stärker problematisiert wird, kam die Jury zu dem Schluss, dass die drei Pfadfinderinnen den Part der Umwelt Aktivistinnen gut abdecken. Auch sie machen eine Wandlung durch, von bornierten Aktivistinnen zu Helferinnen in der Not, die als Team dramaturgisch gut eingefügt sind. Sie passen sich an Gabi an und nicht umgekehrt.

Ungeachtet dieser angeführten Anmerkungen war die FBW-Jury von VIVO begeistert. Es hat großes Vergnügen bereitet, diese gelungene Mischung aus Roadmovie, Musical und Animation als Family Entertainment zu sehen. Und so vergibt die Jury VIVO gerne das Prädikat besonders wertvoll.