Unheimlich perfekte Freunde

Filmplakat: Unheimlich perfekte Freunde

Kurzbeschreibung

Emil und Frido sind beste Freunde. Als in einem Spiegelkabinett die Spiegelbilder der beiden zum Leben erweckt werden, glauben die 10-jährigen Jungs, das große Los gezogen zu haben: Die Doppelgänger können nämlich all das, was Frido und Emil selbst nicht so gut können…

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Das klassische Motiv des Doppelgängers erfährt in Marcus H. Rosenmüllers neuem Film eine zeitgemäße und kindgerechte Auffrischung, die den allgegenwärtigen Drang nach Selbstoptimierung, Leistungsdenken und die manchmal überzogenen Ambitionen von Eltern in Bezug auf ihre Kinder thematisiert. Mittels eines Zauberspiegels begegnet der zehnjährige Emil seinem Doppelgänger, der all das verkörpert, was der Junge selbst nicht leisten kann oder sein mag: Gut in der Schule, stets artig - einfach perfekt. Und auch sein bester Freund Frido kommt in den Genuss eines „Alter Ego“ und bekommt so ein Pendant, das mutig ist und bei den Mädchen gut ankommt. Doch dann entwickeln die Doppelgänger ein Eigenleben und die beiden Jungs merken, dass es vielleicht doch besser ist, man selbst zu sein. Und weil in der Zwischenzeit die ganze Klasse sich einen Stellvertreter zugelegt hat, müssen sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kamerad*innen vor deren Spiegelbildern retten.

Der Film beginnt auf einem Jahrmarkt, wo ein Zauberer und seine ihm ähnelnde Handpuppe einen magischen Spiegelschrank zurückbekommen. In dem ganz und gar modernen und zeitgemäßen Ambiente des Films wirken die Szenen auf dem Jahrmarkt wie aus der Zeit gefallen. Überhaupt lebt der Film von Kontrastierungen: Märchenhaftes mischt sich mit einem ungeschönten Blick auf die Realität, Spaß trifft auf Ernsthaftigkeit, Kindlich-Jugendliches auf eine manchmal fast bizarr anmutende Welt der Erwachsenen. Im Dienste dieser Kontrastierungen geraten manche Charaktere - vor allem jene der Erwachsenen – eher ein wenig zur Karikatur, wird mancher Scherz zum eher groben Klamauk (inklusive Tortenschlacht), so dass die Balance des Films auf die Jury manchmal ein wenig wackelig wirkt.

Positiv hervorzuheben sind vor allem die jungen Darsteller, die überaus glaubwürdig und sehr natürlich agieren, auch wenn sie nach Meinung der Jury fast ein wenig zu alt sind, um glaubhaft als Zehnjährige durchgehen zu können. Der Film thematisiert den Leistungsdruck in der Schule am Übertritt von der Grundschule auf die weiterführende Schule nach dem vierten Schuljahr, so dass er sich vermutlich vor allem an die jungen Zuschauer richtet, die diesen Entwicklungsschritt durchmachen.

Aufgrund des hohen Unterhaltungswertes sowie der herausragend guten Darsteller und der klugen Ansätze zum Nachdenken über Perfektion, Ansprüchen von innen und außen und Rosenmüllers sympathischem Plädoyer für all die kleinen und großen Schwächen der Menschen ist UNHEIMLICHE PERFEKTE FREUNDE definitiv ein vergnügliches Kinoerlebnis, dem die Jury der FBW gerne das Prädikat „wertvoll“ erteilte.