Träume sind wie wilde Tiger

FBW-Pressetext

Dieses farbenfrohe deutsch-indische Bollywood-Märchen macht einfach gute Laune!

Ranjis größter Traum ist es, in einem Bollywoodfilm aufzutreten. Doch als seine Eltern mit ihm nach Deutschland auswandern, glaubt er diesen Traum in weiter Ferne. Als sich ihm die Chance eines Castings bietet, will er alles tun, um teilnehmen zu können. Der Kinderfilm in der Regie von Lars Montag entführt mit viel Fantasie, wunderbaren Darsteller*innen und jeder Menge Musik in die traumhafte Welt der Bollywood-Filme.

Erzählt wird die Geschichte, die im Rahmen der Initiative „Der besondere Kinderfilm“ entstanden ist, mit jeder Menge Musik, ganz so, wie es sich für eine Bollywood-Geschichte gehört. Dabei taucht der 12-jährige Ranji, sehr natürlich und sympathisch gespielt von Shan Robitzky, immer wieder in fantasievolle Traumwelten ein, in denen er mit seinem großen Idol zusammen auftritt oder selbst als großer Sänger die Leinwand erobert. Der Film inszeniert diese Welten mit viel Farbe und Licht und setzt sie in krassen Kontrast zu der monotonen und kalten Welt in Deutschland, in der sich Ranji so gar nicht wohlfühlt. Hilfe erhält er von der gleichaltrigen Toni (eine Entdeckung: Annlis Krischke), mit der er sein Casting-Video bastelt. Dass die Kreativität so im Vordergrund steht und auch Tonis Vater sich mit immer wieder neuen kreativen Ideen etwas einfallen lässt, um das Leben bunter zu machen, ist eine inspirierende Botschaft für die junge Zielgruppe, die so vermittelt bekommt, dass es so viel zum Entdecken gibt, wenn man über den Tellerrand hinaus in die Welt blickt. Neben den Kindern überzeugt auch der erwachsene Cast, der bis in die kleinsten Nebenrollen hochkarätig besetzt ist. Mit Augenzwinkern und einem liebevollen Blick für Klischees gelingt es Lars Montag und seinen Co-Autor*innen Sathjan Ramesh, Murmel Clausen und Ellen Schmidt, die jeweiligen Eigenarten der indischen und der deutschen Kultur zu beschreiben. Dass ein Miteinander über die Kultur hinweg möglich ist, zeigen allen voran die Kinder, für die Freundschaft keine Grenzen kennt. Eine positive Botschaft, die hochaktuell und wichtig ist.
Prädikat wertvoll

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Der auf einem Originaldrehbuch basierende Jugendfilm verarbeitet auf unterhaltsame Weise eine ganze Reihe von relevanten Themen, die unterschiedlich konsequent behandelt werden. In erster Linie zeigt sich der Film natürlich als klassischer Vertreter der Culture Clash-Komödie, indem er indische und deutsche Lebensweisen aufeinanderprallen lässt. Zur grundsätzlichen Herausforderung des Culture Clash gehört die Frage nach dem Umgang mit Klischees, die Figuren der verschiedenen Kulturen möglicherweise anheften könnten. Insbesondere im komödiantischen Zusammenhang können diese Klischees und Stereotypisierungen auf eine gewisse Weise zur Gestaltung der Komik beitragen – wenn sie denn in einem differenzierten Kontext erscheinen. Die wirklich auffallend große Menge an Klischees in Bezug auf Inder*innen und Deutsche, die TRÄUME SIND WIE WILDE TIGER bedient, wird nach Empfinden der Jury hingegen zu wenig gebrochen oder kontextualisiert, vielmehr werden die altbekannten Stereotypisierungen oft einfach fortgeschrieben, bleiben also unkommentiert bestehen, was den Film diesbezüglich die Oberfläche nicht durchbrechen lässt. Die Umsetzung dieser Betonung von Unterschieden ins visuelle Konzept ist gelungen: den bunten und an SLUMDOG MILLIONÄR erinnernden dynamischen Bildern der indischen Seite steht eine Bildgestaltung auf der deutschen gegenüber, die auf kreativste Weise von einem Ordnungsprinzip aus Quadern und Rechtecken dominiert wird.
Ein weiteres Element der Erzählung stellt die Positionierung zweier Lebensprinzipien als gegensätzlich dar. Da ist das Träumerische, Fantasiereiche auf der einen Seite und das Mathematische, Logische auf der anderen Seite, denen sich die Figuren sowohl aus Indien als auch aus Deutschland weitestgehend zuordnen lassen. Das ist auf der erzählerischen, aber vor allem auf der Bildebene teils großartig umgesetzt, insbesondere die Kreativität Ranjis, mit der er sein Bewerbungsvideo dreht, und die Art, wie die Tänze ausgestattet oder die Ideen des Instrumentenbauers umgesetzt sind. Dessen Quietschtier-Orgel als Plüsch-Variante der Monty-Python’schen „Musical Mice Organ“ etwa bildet nur eine von zahlreichen gelungenen Momenten. Und wie es sich für ein Märchen gehört, sympathisieren wir selbstverständlich mit dieser träumerischen Seite des Lebens und dessen Figuren. Umso bedauerlicher und auch inkonsequenter, dass eben dieser Instrumentenbauer, die aufgrund ihrer angedeuteten Ambivalenz vielleicht stärkste Figur des Films, erst wieder in dem Moment von der Ehefrau als Mann wahrgenommen wird, wenn er sich, entgegen der Hauptfigur, von seinen Träumereien abwendet und mit einem ordentlichen Beruf Geld zu verdienen beginnt – als Kartenkontrolleur. Zum Träumerischen innerhalb der Filmwelt zählen auch die Bollywood-Bezüge, die, frei nach dem Motto „Bollywood ist überall“, vor allem durch Musik- und Tanzeinlagen Einzug in den Film finden. Bleibt der Musikstil dabei eher als Hybrid aus indischen und europäischen Einflüssen, so weiß die Umsetzung der Choreografien besonders dadurch zu gefallen, dass sie auf sehr einfallsreiche Weise das jeweilige Szenenumfeld mit einbezieht, etwa eine Seniorengruppe, die mit Ranji zu tanzen beginnt. Überhaupt lebt der Film von einer reichen Ausstattung, vielen visuellen Einfällen und insbesondere den überzeugenden Kinderschauspieler*innen. Und obwohl alle Figuren, Wendungen und Konfliktauflösungen wie beschrieben oft zu einfach, zu stereotyp und teils auch inkonsequent ausfallen, so vermag der Film durch seine Showelemente und die Situationskomik als „Family Entertainment“ dennoch gut zu unterhalten.