Systemsprenger

Kinostart: 19.09.19
2019
Filmplakat: Systemsprenger

FBW-Pressetext

Das Spielfilmdebüt von Nora Fingscheidt erzählt auf kraftvolle Weise von einem 9-jährigen Mädchen, das nicht mehr bei seiner Mutter leben darf und durch seine unkontrollierten Wutanfälle bereits mehrere soziale Einrichtungen erfolglos durchlaufen hat.

Benni ist voller Wut. Auf die Erwachsenen, auf die Kinder, auf die ganze Welt. Nur nicht auf ihre Mama. Zu ihr will das 9-jährige Mädchen zurück. Doch das Jugendamt sagt, das ginge nicht, solange Benni so viel Wut in sich spürt, die sich immer wieder auch mit Gewalt Bahn bricht, und ihre Mutter damit überfordert ist. Und so wandert Benni von Einrichtung zu Einrichtung, von Erzieher zu Erzieher, von Wutanfall zu Wutanfall. Bis der Betreuer Micha auftaucht, der endlich einen Zugang zu Benni findet. Doch während Benni in Micha eine Art „Ersatzvater“ sieht, muss Micha sich bemühen, die professionelle Distanz zu bewahren. Und das wird mehr und mehr zu einem Problem. Nora Fingscheidts Spielfilmdebüt SYSTEMSPRENGER ist ein Film, der so kraftvoll und energisch daherkommt wie seine junge Protagonistin. Immer dann, wenn Benni in eine Wutphase verfällt und mit allem um sich schlägt und schreit, greift der Film diese Energie auf. Das Bild wird in ein grelles Pink getaucht, die Schnitte werden stakkatoartig, die Musik wird laut und vermischt sich mit Bennis expressiver Wut. Es ist phänomenal, mit welch körperlicher Wucht Helena Zengel Benni spielt. Alles an ihr ist kraftvoll und ausdrucksstark. Umso erstaunlicher, wieviel Unschuld und Zartheit an anderen Stellen sichtbar ist – immer dann etwa, wenn Benni mit ihrer Mutter zusammen ist, deren Überforderung und Gebrochenheit Lisa Hagmeister eindrücklich verkörpert. Albrecht Schuch als Micha ist ein perfekter Gegenpol zu Benni. In ihrem gemeinsamen Spiel kreisen sie nicht um- sondern prallen aufeinander – und entwickeln dabei ein intensives und gefühlvolles Miteinander, was seinesgleichen im Kino sucht. Und obwohl man nicht anders kann, als mit Benni zu fühlen, ist es doch auch die Perspektive der Ämter und der Betreuer, die der Film einnimmt und deren Vertreter nie verteufelt, sondern verstanden werden, allen voran Gabriela Maria Schmeide als Mitarbeiterin des Jugendamts, die alles Mögliche unternimmt, um Benni im Rahmen des Systems zu helfen. Einem System, das an diesem Anspruch scheitert und durch Kinder wie Benni „gesprengt“ wird. Ein kraftvoller, konsequenter und ehrlicher Film, der den Zuschauer nicht mehr loslässt.

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Das Gutachten folgt in Kürze.