Filmplakat: Marina

FBW-Pressetext

Marina lebt bei einem älteren Mann in Deutschland. Sie kennt ihn mittlerweile gut, weiß, was er gerne isst und was sie tun muss, damit er sich wohler fühlt. Marina ist eine Pflegekraft. Und sie mag ihren Job. Und doch gibt es immer wieder Momente, in denen sie am liebsten woanders wäre. Bei ihrer Familie in Rumänien zum Beispiel. Oder ihrem Kind, das sie schon so lange nicht gesehen hat. Doch Marina bleibt in Deutschland. Weil sie hier Geld verdienen kann. Und weil sie weiß, dass die Menschen sie brauchen. Wenn sie auch nicht immer zu schätzen wissen, was für eine Arbeit Marina leistet. Für ihren Dokumentarfilm über Pflegekräfte sammelten die Filmemacherinnen Julia Roesler und Silke Merzhäuser die Aussagen mehrerer Frauen und fassten sie in einem Erzählmonolog einer einzelnen fiktiven Frau namens Marina zusammen. Mit großer Ruhe und der Fokussierung auf seine Protagonistin entwickelt das Porträt eine große atmosphärische Dichte und Kraft, die sich auch in den genauen Einstellungen in der Wohnung des Pflegebedürftigen spiegelt. Die Räume sind dunkel, wirken unbelebt, man glaubt, die Krankheit und die Traurigkeit der Bewohner zu spüren. Und doch strahlen Marinas Präsenz und ihre Stimme auch etwas Tröstendes aus. So zeigt der Film Emotion, ohne emotional inszenieren zu müssen. Und die Filmemacherinnen machen durch die starken Aussagen deutlich, wie wichtig, anstrengend und teilweise auch demütigend die Arbeit der Pflegekräfte ist. Die dafür den höchsten Respekt verdienen. Und ihn viel zu selten erhalten.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm; Kurzfilm
Regie:Julia Roesler
Darsteller:Gina Caliniou; Gerd Peiser; Lara Guzmann Zevallos
Drehbuch:Silke Merzhäuser; Julia Roesler
Kamera:Isabel Robson
Schnitt:Isabel Robson
Musik:Insa Rudolph
Länge:27 Minuten
Verleih:werkgruppe2
Produktion: Werkgruppe2 GbR Julia Roesler
FSK:12
Förderer:Nordmedia

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

In konzentrierter und ruhiger Weise erzählt die rumänische Pflegerin Marina (im Film dargestellt von Gina Caliniou) von ihrem Alltag als Pflegerin bei einem hilfsbedürftigen alten Herren in Deutschland. Sie spricht direkt in die Kamera, Drehort ist die rührend altmodische, gepflegte und sehr ordentliche Wohnung ihres Patienten, den wir nicht zu Gesicht bekommen. Ein intensives Kammerspiel in einem geschützten Raum, in den die Außenwelt nicht hineindringt.

Marina ist gelernte Bauzeichnerin, sie hat zu Hause eine 11jährige Tochter und verdient 1.500 € im Monat. Oft bleibt sie bei ihren Patienten, bis sie sterben. Ihre Tätigkeit als Pflegerin übt sie ohne eine entsprechende Ausbildung aus. Bei der körperlichen Pflege eines an Darmkrebs erkrankten Patienten stößt sie an ihre Grenzen, die sie tapfer und lebensklug überwindet.

Die verdichtete Erzählung, die auch das Machgefälle zwischen einem hinfälligen, auf Hilfe angewiesenen Menschen und der rund um die Uhr zur Verfügung stehenden Pflegerin, deren eigentliches Leben ganz woanders stattfindet, nicht ausspart, ist eine poetische Hommage an die unzähligen Frauen, die diese schwere Arbeit ausüben. Hier amalgiert die ökonomische Notwendigkeit, in der Fremde arbeiten zu müssen mit ganz praktischer und außerordentlich liebevoller Nächstenliebe.

Es ist eine Tatsache, dass die Versorgung alter Menschen in Deutschland ohne das massenhafte Engagement osteuropäischer Pflegekräfte komplett zusammenbrechen würde. Dieser kleine, sorgfältig inszenierte Film singt zu Recht das hohe Lied der Anerkennung auf diese Frauen.