Lass ihn gehen

Kinostart: nkT
2020
Filmplakat: Lass ihn gehen

FBW-Pressetext

Bewegendes Drama, das bis zum packenden Showdown begeistert.

Das spannende Drama mit Diane Lane und Kevin Costner erzählt die Geschichte von Margaret und George, die nach dem Verlust ihres Sohnes alles tun, um ihren Enkel davor zu bewahren, bei der brutalen neuen Familie ihrer Schwiegertochter aufzuwachsen. Das mitreißende Drama lässt mit seinem großartigen Cast und seiner fesselnden Geschichte den Zuschauern bis zum Showdown mitfiebern.

Der Film in der Regie von Thomas Bezucha beginnt als leises Drama und wird von Minute zu Minute mehr zu einem spannenden Thriller, in dem Diane Lane als unerbittliche Großmutter agiert, die für ihren Enkel über alle Grenzen gehen würde, und in der Kevin Costner als ihr Mann alles tut, um ihr in diesem Kampf bis zum fesselnden Showdown unerbittlich zu folgen. Doch über allem liegt eine tief empfundene und vom Film sehr feinfühlig herausgearbeitete Trauerarbeit, die sich vor allem in der Figur der Margaret spiegelt. Dabei verlieren die Figuren nur wenige Worte, das, was zählt und was sich zwischen Margaret und George abspielt, inszeniert der Film oft mit Gesten und Blicken. Die dichte Atmosphäre der akuten Bedrohung, der das Ehepaar durch die brutale neue Familie der Schwiegertochter ausgesetzt ist, ist deutlich spürbar, auch die Musik und die dynamische Kamera von Guy Godfree unterstützen das, unter anderem auch durch die besondere Lichtsetzung. Bezucha und sein Team finden für den Film, der zwischen den einzelnen Genres zu wandeln scheint, eine ganz eigene Bildsprache in einer ikonisch amerikanischen Landschaft, die rau und schön zugleich ist und die eine stimmungsvolle Kulisse für das mitreißende Drama bildet, in dem die perfekt miteinander agierenden Diane Lane und Kevin Costner in ihrem zurückhaltenden und doch eindrucksvollen Spiel brillieren.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm; Kriminalfilm
Regie:Thomas Bezucha
Darsteller:Kevin Costner; Diane Lane; Lesley Manville; Kayli Carter; Booboo Stewart; Jeffrey Donovan; Will Brittain; Ryan Bruce; Adam Stafford; u.a.
Drehbuch:Thomas Bezucha
Buchvorlage:Larry Watson
Kamera:Guy Godfree
Länge:115 Minuten
Kinostart:
Verleih:Universal
Produktion: Mazur / Kaplan Company
FSK:16

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Selten bringt ein Titel den Grundkonflikt eines Films so gut auf den Punkt. Nach dem Unfalltod ihres Sohnes will die auf einer Farm lebende Margaret Blackledge nicht auch noch ihren kleinen Enkelsohn verlieren, und als sie erfährt, dass der neue Ehemann ihrer Schwiegertochter den kleinen Jungen schlägt, setzt sie alles in Bewegung, um ihn aus den Klauen des gewalttätigen Familienclans, der nun die Erziehungsgewalt über ihn hat, zu befreien. Ihr Mann, ein pensionierter Sheriff, hilft ihr bei dieser Befreiungsaktion, und oberflächlich scheint schon durch die Besetzung des Ehepaars Blackledge mit Diane Lane und Kevin Costner klar zu sein, wer in dieser Geschichte die Guten und wer die Bösen sind. Der Film wird nur aus ihrer Perspektive erzählt, die Schwiegertochter ist offensichtlich wehrlos, ihr kleiner Sohn wird so präsentiert, dass er Beschützerinstinkte wecken soll und die Antagonisten werden als eine kriminelle und brutale Familie dämonisiert, die von einer Matriarchin beherrscht wird, die keinen Widerspruch duldet. Und dennoch ist Margaret Blackledge keine ungebrochene Heldin, sondern eine Getriebene, die ohne Rücksicht auf Verluste handelt und letztendlich die zerstörerische Kraft in dieser Geschichte ist. Wie stark ihr Willen, oder besser ihre Besessenheit ist, zeigt sich daran, dass ihr Ehemann, der von Kevin Costner verkörpert wird, immer nur auf sie reagiert und ihr nicht aus Überzeugung hilft, sondern weil er sie liebt. LASS IHN GEHEN ist eine extrem spannend erzählte Mischung aus Western und Thriller, doch er ist auch weit mehr als ein gut inszenierter Genrefilm, denn sein Gravitationszentrum ist diese Frau, die sehenden Auges großes Unheil heraufbeschwört, weil sie nicht anders kann, wie sie in einer intimen Szene vor dem genretypischen großen Showdown ihrem Mann gesteht. Im amerikanischen Unterhaltungskino hat es schon einige Filme über solche gebrochenen Protagonisten gegeben, Clint Eastwood hat etwa in seinem Oeuvre oft die Rolle des Helden in Frage gestellt. Doch das Besondere an LASS IHN GEHEN ist, dass es zwei Frauen sind, anhand derer diese moralischen Fragen durchgespielt werden. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Larry Watson. Thomas Bezucha hat nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben. Ob die raffinierte und effektive Dramaturgie nun aus der literarischen Vorlage übernommen wurde, bleibt sich dabei gleich. So oder so wird hier meisterlich und vor allem filmisch erzählt. Da wird vieles auf der Bildebene angedeutet, wenn etwa das Ehepaar Blackledge auf ihrer Reise in einer Nacht auf die Einladung vom örtlichen Sheriff hin in einer offenen Gefängniszelle schläft. Symbolisch wechseln sie hier über die Grenze zum illegalen Handeln. Ähnlich ambivalent ist das Ende, in dem die Protagonist*Innen sich nicht, wie im Genre üblich, zur Sonne hin, sondern von der Sonne weg in die Dunkelheit bewegen. Thomas Bezucha ist ein atmosphärisch reicher, vielschichtiger Spielfilm gelungen, der überzeugend in der Welt des Mittleren Westens mit seinen Farmen, kleinen Städten und der weiten, oft bedrohlich wirkenden Leere der Landschaft eingebettet ist.