Jojo Rabbit

Kinostart: 23.01.20
2019
Filmplakat: Jojo Rabbit

FBW-Pressetext

Die Anti-Kriegs-Satire von Taika Waititi erzählt die Geschichte des jungen Jojo, der im Nazi-Deutschland aufwächst und dessen imaginäre beste Freundschaft mit Adolf Hitler auf eine harte Probe gestellt wird, als Jojos Mutter ein jüdisches Mädchen versteckt.

Der 10-jährige Jojo ist nicht so mutig wie die anderen Jungs in der Hitler-Jugend, nicht so laut wie sie, nicht so schnell wie sie. Aber das macht nichts. Denn Jojo hat einen imaginären besten Freund. Und der heißt Adolf Hitler. Jojo weiß, dass Hitler ihn nie im Stich lassen würde. Genau wie seine Mutter, die Jojo darin bestärkt, alles werden zu können, was er will, auch wenn sie selbst das mit der Hitler-Jugend nicht gutheißt. Als Jojo herausfindet, dass seine Mutter in der Wohnung ein junges jüdisches Mädchen namens Elsa versteckt hält, weiß er nicht, was er tun soll. Denn Juden sind doch schließlich schlechte Menschen. Und Hitler sagt auch, er solle Elsa unbedingt verraten. Aber wenn Juden wirklich schlechte Menschen sind, warum versteht sich Jojo dann so gut mit ihr? Und warum sind alle Nazis, denen Jojo begegnet, entweder gemein oder unfähig? So langsam muss sich Jojo entscheiden, ob er ein guter Nazi oder lieber doch ein guter Mensch werden will. Für seine Anti-Kriegs-Satire nahm sich Regisseur Taika Waititi den Roman „Caging Skies“ von Christine Leunens als Grundlage. Schon mit dem Titelsong – die deutsche Version des Beatle-Klassikers „I wanna hold your hand“ („Komm gib mir deine Hand“) – wird klar, welche Form von Humor der Film ansteuert. Sämtliche Stereotype der nationalsozialistischen Herrschaft werden aufs Korn genommen, das Ensemble, allen voran Sam Rockwell als abgehalfteter SS-Soldat, Rebel Wilson als überfruchtbare Erzieherin und Stephen Merchant als eifriger Gestapo-Offizier, wissen mit ihren Rollenklischees lustvoll umzugehen. Doch neben den vielen gut gesetzten Spitzen gegen die Unsinnigkeit des NS-Regimes und dem herrlich albernen und überzeichneten Spiel von Waititi selbst als Hitler besitzt der Film ein großes Herz, welches er spätestens mit der Einführung der Beziehung zwischen Mutter und Sohn öffnet. Scarlett Johannson spielt Jojos Mutter mit entwaffnender Fröhlichkeit und unerschütterliche Liebe zu ihrem Sohn. Sie weiß, dass er von den Nazis und ihrem Glauben verblendet ist, aber glaubt immer auch an das Gute in ihm. So vertraut sie darauf, dass er seinen Weg zurück schon finden wird. Und genau das geschieht. Roman Griffin Davis ist als Jojo eine absolute Entdeckung und als Zuschauer kann man nicht anders, als ihn in all seinen Gefühlslagen und –verwirrungen ins Herz zu schließen. Und wenn dann am Ende des Films David Bowie die deutsche Version von „Heroes“ zum Besten gibt, ein Rilke-Zitat die Essenz des Films zusammenfasst, dann spürt man, dass der Film mehr ist als eine brillant geschriebene Satire oder eine spannende Geschichte. Es ist ein grundehrlicher Aufruf, das Leben zu lieben. Und alle Menschen dazu.

Filminfos

Gattung:Drama; Komödie; Spielfilm
Regie:Taika Waititi
Darsteller:Roman Griffin Davis; Sam Rockwell; Scarlett Johansson; Thomasin McKenzie; Taika Waititi; Rebel Wilson; Stephen Merchant; Alfie Allen
Drehbuch:Taika Waititi
Buchvorlage:Christine Leunens
Kamera:Mihai Malaimare Jr.
Schnitt:Tom Eagles
Musik:Michael Giacchino
Länge:109 Minuten
Kinostart:23.01.2020
Verleih:Fox
Produktion: TSG Entertainment, Piki Films; Defender Films; Czech Anglo Productions;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Der Film von Taika Waititi ist eine Anti-Kriegs-Satire. Und für ein deutsches Publikum ist es sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig zu sehen, wie sich hier ein neuseeländischer Drehbuchautor und Regisseur, basierend auf einer literarischen Vorlage, das Deutschland des Dritten Reichs vorstellt. Waititis gelungener Kunstgriff besteht dabei darin, dass er konsequent aus der Perspektive eines Kinders erzählt und sein Erzählkosmos nicht realistisch wirkt, sondern stattdessen aus Versatzstücken der Popmythologie zusammengesetzt wurde. Erzählt wird von einem kleinen deutschen Jungen, der ein begeisterter Hitlerjunge ist und dem der Führer immer dann, wenn er sich einsam fühlt, als imaginärer Freund erscheint. Sein Weltbild wird verändert, als er entdeckt, dass sich in seinem Haus ein jüdisches Mädchen versteckt. Taika Waititi inszeniert seinen Film am Anfang mit viel anarchistischem Witz und zeichnet seine Figuren als absurde Karikaturen. Doch später wird sein Ton immer ernster und einige der Figuren wie etwa die alleinerziehende Mutter des Protagonisten bekommen eine überraschende Tiefe, sodass ihr Schicksal sehr berührt. Bemerkenswert ist, wie fantasievoll in der Geschichte, die auf dem Roman „Caging Skies“ der Schriftstellerin Christine Leunens beruht, mit Fragmenten von etablierten Erzählmustern jongliert wird. Hitler als der imaginierte Freund des einsamen Jungen steht in der Tradition des Films MEIN FREUND HARVEY, während bei dem versteckten jüdischen Mädchen Anne Frank Pate gestanden hat. Ein europäischer Regisseur hätte diese Elemente wohl nicht so fantasievoll und unbeschwert vermischt wie Waititi. Sein Ansatz, vom Dritten Reich mit den Mitteln der Popkultur zu erzählen, bringt er bei seiner Musikauswahl sehr komisch auf den Punkt. So setzt er Songs von den Beatles, David Bowie und Roy Orbison ein, die die Künstler einst in deutscher Sprache eingespielt haben.