Filmplakat: INDIGO

Kurzbeschreibung

In der afro-surrealistischen Geschichte zweier Schwarzer deutscher Frauen, die sich beim Flechten ihrer Haare begegnen, verschwimmen Erzählung und cineastische Poesie. In der Intimität der Situation kommen Themen wie Identität und Spiritualität zur Sprache.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Experimentalfilm; Kurzfilm
Regie:Mona Okulla Obua
Darsteller:Karmela Shako; Astan Meyer
Drehbuch:Mona Okulla Obua
Kamera:Diara Sow
Schnitt:Ibra Wane
Musik:Oscar N. Atanga
Länge:17 Minuten
Produktion: Mona Okulla Obua

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

In ihrem experimentellem Kurzfilm INDIGO verhandelt die Regisseurin Mona Okulla Obua kulturelle Fragen der Identität von Frauen zwischen Deutschland und ihren afrikanischen Herkunftsländern. In drei Teilen wird von den afro-deutschen Frauen Indigo und Nila erzählt. Sehr viel stärker als Indigo pflegt Nila noch Traditionen ihrer afrikanischen Herkunft. Indigo erweckt eher den Eindruck, auf für sie schmerzliche Weise von ihrem afrikanischen Erbe entfremdet zu sein.

In ihrem Versuch einer „afro-surrealistischen“ Annäherung an das Thema der kulturellen Identität arbeitet die Regisseurin mit vielen Andeutungen und Symbolen. Einer surrealistischen Ästhetik und auch Experimentalfilmen kommt es grundsätzlich nicht darauf an, durchweg verständliche Erzählungen und Bilder zu generieren. Dass nicht alles auf Anhieb und bei einem einmaligen Sichten verstanden werden kann (wie es der Jury erging) ist daher nachvollziehbar. Hinzu kommt in INDIGO eine kulturelle Perspektive, die diasporische Identitäten thematisiert. Im Zentrum des Films steht ein langes Haarflechtritual, in dem die Disparitäten der beiden Frauen zutage treten und schließlich aufgelöst werden. Es ist Nila, die Indigo die Haare macht und ihr dabei kulturelles Wissen über afrikanische Identität vermittelt. Während des Rituals geht sichtbar eine Veränderung mit Indigo vor, die in einer starken emotionalen Reaktion kulminiert. Eine (schwarz gefärbte) Träne löst sich aus ihren traurigen Augen. Deutlich surrealistisch und rätselhaft sind die kontinuierlich in die „Handlung“ montierten Bilder, in denen Indigo an einem Ort zu sehen ist, der vermutlich eine afrikanische Wüste bedeuten soll.

In der abschließenden Szene mündet die meditative Poesie des Films in einem versöhnlichen Ende, das die beiden Frauen vereint beim reinigenden baden zeigt. Indigo ist eine hochsymbolische Farbe, die in unterschiedlichen Kulturen auch unterschiedliche Bedeutungen hat. Das organische Pigment Indigo ist in Wasser nur schwer löslich. Hier scheint die Farbe die diasporische Identität auszudrücken und die Protagonistin kann diese entfremdete Identität „abwaschen“. Im Rahmen eines Kurzfilms erfolgt dieser Prozess einer Heilung, wie man es bezeichnen könnte, sozusagen im Zeitraffer und damit etwas kursorisch. Worin die Entfremdung der Protagonistin genau besteht, ist allenfalls zu vermuten und hätte insofern zu Beginn des Films deutlicher etabliert werden können.

Mit kleinen Einschränkungen sah die Jury in dem Kurzfilm ein originelles künstlerisches Werk das mit dem Prädikat „Wertvoll“ ausgezeichnet wurde.