Gondola

Kinostart: 07.03.24
2023
Filmplakat: Gondola

FBW-Pressetext

Der neue Film von Veit Helmer nutzt die Kraft der großen Kinobilder, um eine Liebesgeschichte ganz ohne Worte zu erzählen. Ein zauberhaftes Kinomärchen über die Kraft der Liebe – und der Musik.

Als ihr Vater stirbt, kehrt Iva in ihre Heimat in den georgischen Bergen zurück, um den Posten als Gondelschaffnerin bei einer Seilbahn zu übernehmen, die das Tal mit der Stadt verbindet. Als Iva die Schaffnerin Nino kennenlernt, verstehen sich die beiden jungen Frauen sofort. Bei jeder Begegnung der Gondeln in der Luft versuchen sie, sich etwas Besonderes auszudenken, um die andere zu überraschen oder zum Lachen zu bringen. Leider zum Unmut des strengen Vorgesetzten, der sich zwischen die aufkeimende Liebe der Beiden stellt. Doch da hat er nicht mit Ivas und Ninos Kreativität gerechnet – oder der Unterstützung der Talbewohner, die sich etwas Besonderes einfallen lassen, um Iva und Nino zu helfen.

Ein Liebesfilm, ganz ohne Sprache? Dass dieses Konzept funktionieren kann, beweist Regisseur und Autor Veit Helmer mit seinem neuen Werk GONDOLA. Um die Liebe zwischen den beiden Frauen zu entwickeln – erst ganz verspielt und fröhlich-albern, dann mit wahrhaftiger Tiefe und Zuneigung – benötigt der Film keine großen Deklamationen, keine Wortgefechte. Eher setzt Helmer auf die Kraft der Bilder und damit auch die phänomenale Kameraarbeit von Goga Devdariani. Die von der Rest der Welt abgekapselte Berglandschaft in Georgien liefert eine malerisch entrückte Kulisse, die von Helmer konsequent poetisch in Szene gesetzt wird. Die von satten Farben dominierten Bilder, die malerische Künstlichkeit und die verspielten musikalischen Klänge des Scores tun ihr Übriges, um eine märchenhafte Stimmung zu erzeugen, die im besten Sinne des Wortes als „Vintage“ bezeichnet werden kann. Dazu feiert der Film die Kraft der großen Kinobilder und der unschuldigen Liebe, die sich gegen jeden Widerstand hinwegsetzt. Eine wunderschöne und in ihrer naiven Unschuld einfach mitreißende Feier der Magie des frühen Kinos als die Bilder genug waren, um das Publikum zu verzaubern.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Veit Helmer
Darsteller:Mathilde Irrmann; Nino Soselia
Drehbuch:Veit Helmer
Kamera:Goga Devdariani
Schnitt:Iordanis Karaisaridis; Nikoloz Gulua
Musik:Malcolm Arison; Sóley Stefánsdóttir
Webseite:jip-film.de;
Weblinks:kinofans.com;
Länge:82 Minuten
Kinostart:07.03.2024
Verleih:JIP Film und Verleih
Produktion: Veit Helmer-Filmproduktion Veit Helmer, Natura Film; Saarländischer Rundfunk; Westdeutscher Rundfunk; Bayerischer Rundfunk;
FSK:6
Förderer:MBB; Eurimages

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Veit Helmer ist einer der wenigen radikalen Stilisten, die im deutschen Kino heute noch ihre Filme genauso machen können, wie sie wollen. Er ist nicht an einer realistischen Abbildung der Welt interessiert, sondern schafft stattdessen in seinen Filmen poetische Fantasiewelten, die er mit seinen archetypischen Figuren bevölkert. Meist sind sie in östlichen Ländern angesiedelt, deren exotische Drehorte er zu Bühnen für seine märchenhaften Erzählungen umgestaltet. GONDOLA hat er im georgischen Kaukasus gedreht, und hier ist seine Bühne ein Tal mit einer Seilbahn, in deren sich bei jeder Fahrt in der Mitte begegnenden Gondeln eine queere Liebesgeschichte ihren Lauf nimmt. Iva und Nino sind die beiden Schaffnerinnen und jede Phase ihrer Beziehung geschieht in den kurzen Momenten, wenn ihre Gondeln aneinander vorbei schweben. Dort flirten sie miteinander, verlieben sich, streiten und versöhnen sich. Veit Helmer erzählt diese Geschichte mit rein filmischen Mitteln – er verzichtet ganz auf Dialoge (im ganzen Film wird nur ein einziges Wort gesprochen). Stattdessen verlässt er sich ganz auf die Kraft seiner Bilder, und dabei kann man seinen Einfallsreichtum sowie seine Originalität nur bewundern. Den Film durchzieht ein zärtlicher Humor. Er ist gespickt mit skurrilen Nebenfiguren wie dem eifersüchtigen Vorgesetzten der beiden Schaffnerinnen oder einem wohlmeinend, väterlichen Rollstuhlfahrer. Die Soundeffekte und die stimmungsvolle folkloristische Filmmusik geben dem Film auch auf der Tonebene eine ganz eigene heitere Vitalität. Die Musik wird sogar Teil der Handlung, wenn die Dorfbewohner auf ihren bäuerlichen Geräten musizieren, während die Gondeln über ihnen vorbei schweben. Trotz der nostalgischen Grundstimmung des Films (wie die Gondeln sieht alles im Film so aus, als sei es aus der Mitte des 20. Jahrhunderts) ist GONDOLA alles andere als rückwärtsgewandt. So wird etwa das lesbische Verhältnis der beiden Protagonistinnen nicht thematisiert oder ausgestellt, sondern stattdessen als völlig selbstverständlich präsentiert. Veit Helmer ist mit GONDOLA eine filmische Liebesballade gelungen, die das Publikum verzaubert, ohne je sentimental zu wirken.