Filmplakat: Father's Day

FBW-Pressetext

Destyne Butler Jr. ist 18 Jahre alt. Er ist in Chicago in einer Strafanstalt für jugendliche Straftäter untergebracht, weil er mit Drogen gedealt hat. Als Kind wollte Destyne Boxer werden. Sein Vater hat ihn auf diese Idee gebracht. Nun fragt sich Destyne oft, warum er diesen Traum nicht weiter verfolgte. Und so schreibt Destyne seinem Vater einen Brief. Um seine Gedanken mitzuteilen, sich zu entschuldigen – und um zu sagen, dass er seinen Vater liebt, egal was passiert. FATHER’S DAY, der neue Film von Regisseur André Hörmann, beeindruckt durch seine Klarheit und Reduziertheit auf den Protagonistien Destyne Butler Jr.. Die kluge Wahl auf der Tonebene, Destyne nur durch den Brief an seinen Vater sprechen zu lassen, lässt den Zuschauer tiefer in die Gedanken des jungen Mannes eintauchen und macht die Härte der äußeren Bedingungen noch stärker spürbar. Durch den Flashback, der Destyne als Jungen beim Boxunterricht zeigt, erhält die Geschichte eine weitere berührende Dimension. Und je persönlicher der Kurzdokumentarfilm wird, desto mehr werden auch die gesellschaftlichen Umstände und die bedrückende Realität in den USA deutlich. Das alles macht FATHER’S DAY zu einem hochaktuellen filmischen Beitrag zu aktuellen Ereignissen – und zu einem wichtigen Film, gerade auch für die jüngere Zielgruppe.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Kurzfilm; Kinder-/Jugendfilm
Regie:André Hörmann
Kamera:Tom Bergmann
Schnitt:Vincent Assmann
Länge:7 Minuten
Produktion: Hörmann-Filmproduktion GbR André Hörmann
Förderer:BKM

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

In knapp acht Minuten erzählt André Hörmanns Kurzdokumentarfilm Father’s Day die Lebensgeschichte von Destyne Butler Jr., der in Chicagos berüchtigter South Side aufwuchs - und er erzählt sie mit den Worten des Protagonisten selbst, der in einer Art filmischem Tagebucheintrag oder Brief an seinen Vater sein bisheriges Leben Revue passieren lässt. Der äußere Anlass für dieses „Schreiben“ ist der Titel gebende Vatertag.

Begleitet wird der Bericht von bedrückenden Bildern des von Zucht und Ordnung geprägten Gefängnislebens, in dem die Insassen, die sich an einem speziellen Rehabilitierungsprogramm beteiligen, militärisch anmutendem Drill und gebrüllten Floskeln mit Anweisungen zur Lebensführung unterzogen werden. Nur einmal weicht der Film von dieser Bildstrategie ab und zeigt Archivaufnahmen Destynes, in denen dieser als Kind und Jugendlicher gezeigt wird, der ein begabter Boxer war und dessen größter Wunsch darin bestand, in seiner Disziplin an den Olympischen Spielen 2012 teilzunehmen. Doch das Leben wollte es anders.

Formal wie inhaltlich beeindruckt Father’s Day durch die klar kontrastierten Bilder und die Offenheit, mit der der Protagonist über sich und sein Leben spricht, ohne dabei in Larmoyanz oder Vorhaltungen zu verfallen. Dabei bleibt vieles angedeutet, dennoch entsteht eine Ahnung davon, unter welchen Bedingungen junge Afroamerikaner heutzutage in den USA aufwachsen und wie leicht sie dabei von ihrem angestrebten Weg abkommen. Am Ende ordnet eine Texttafel den Fall in einen größeren Zusammenhang ein: Jeder neunte Afroamerikaner in der Altersgruppe zwischen 20 und 34 verbüßt eine Gefängnisstrafe. Diese Menschen erhalten durch Destyne Butler Jr. nun ein Gesicht und eine Stimme - sein Fall scheint, soweit dies aufgrund der Kürze der Information überhaupt möglich erscheint, geradezu exemplarisch für viele Menschen seiner Altersgruppe mit ähnlichen sozialen Rahmenbedingungen zu sein. André Hörmann zeigt einen kleinen Ausschnitt von der Welt, in der gerade das gegenwärtige Amerika mit all seinen Widersprüchlichkeiten und Ungerechtigkeiten stets durchschimmert.

Father’s Day eignet sich dabei als Ausgangspunkt für Überlegungen darüber, wie es zu dieser Häufung kommt - er ist kein Film, der Antworten gibt, aber einer, der viele Fragen aufwirft.

Die Jury der FBW erteilte Father’s Day einstimmig das Prädikat besonders wertvoll.