Filmplakat: Dorotchka

Kurzbeschreibung

In einem entlegenen sibirischen Dorf, wo die Ehe traditionell als das höchste Glück für die Frau gilt, lebt die 80-jährige Dorotchka. Sie ist eine archetypische Babuschka, immer allein geblieben. Scharfsinnig und selbstkritisch reflektiert sie über die Liebe, Reue und Einsamkeit.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm; Kurzfilm
Regie:Olga Delane
Drehbuch:Olga Delane
Kamera:Olga Delane; Nikolai v. Graevenitz
Schnitt:Philipp Gromov
Länge:27 Minuten
Kontakt:mail@doppelplusultra.de
Produktion: Doppelplusultra Filmproduktion, Bildschön Filmproduktion;
Förderer:Nordmedia

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Ein schweres, karges und einsames Leben hat die während der Filmaufnahmen 90jährige Dorotchka geführt, die die Dokumentarfilmemacherin Olga Delane in einem entlegenen sibirischen Dorf gefunden hat. Und Delane lässt sie an ihrem Küchentisch von diesem Leben erzählen. Davon, wie sie als junge Frau vergewaltigt wurde, wie sie einen ungeliebten Mann geheiratet hat, diesen mit anderen Liebhabern betrog und dann einen Sohn großszog, der inzwischen auch ein alter Mann ist und zwischen den Besuchen des Filmteams verstarb und begraben wurde. Dorotchka schildet diese hochdramatischen Episoden aus ihrem Leben mit einer stoischen Gelassenheit und in einer lakonischen Sprache voller Schimpfwörter. Nur ihre ständig auf dem Küchentisch trommelnden Finger geben eine Ahnung davon, wie es in ihrem Inneren aussehen mag. Olga Delane vertraut hier ganz auf die Kraft ihrer Bilder und ihrer Protagonistin. Für einige Einstellungen verlässt sie das kleine Holzhaus von Dorotchka: So sieht man, wie sich ein paar junge Menschen aus dem Dorf unter dem freien Himmel treffen, oder wie ein Grab ausgehoben wird. Als Kontrapunkte hat Delane historische Schwarzweiß-Aufnahmen von Landhochzeiten in Sibirien montiert, in denen gefeiert, gesungen und getanzt wird. Während in diesen in einer manischen Hochstimmung gefeiert wird, wird in Delanes Aufnahmen das deprimierende Lebensfazit der Protagonistin gezogen. Der Dokumentar-Kurzfilm ist, zum Teil von der Regisseurin selbst, brillant fotografiert und erstaunt durch die Intimität, die Dorotchka zulässt. Ein Teil der Jury gab kritisch zu bedenken, dass der Film, der als ein „langer ruhiger Fluss“ funktioniert, sich eventuell nicht über die gesamte Länge trägt. Und in seiner Machart relativ klassisch verfährt. Am Ende aber bestätigt der Film die alte Weisheit, dass es wenig Faszinierenderes gibt als das menschliche Gesicht. Und so zeichnet die Jury den Film aufgrund seiner eindeutigen Qualitäten mit dem Prädikat „wertvoll“ aus.