DORA - Flucht in die Musik

Kinostart: 05.01.23
2022
Filmplakat: DORA - Flucht in die Musik

FBW-Pressetext

Eine phänomenale Rechercheleistung und eine detailgetreue zeitgeschichtliche Kontextualisierung machen diesen Dokumentarfilm zu einem wichtigen musikhistorischen Filmdokument.

Außerhalb ihres Heimatlandes Kroatien ist die Komponistin Dora Pejacevic heutzutage nahezu unbekannt. Doch zu ihren Lebzeiten wurden ihre Werke in den größten Spielstätten Europas aufgeführt. Wie kommt es, dass ihr umfassendes Schaffen so in Vergessenheit geriet? Die Pianistin Kyra Steckeweh und der Filmemacher Tim van Beveren gehen in ihrem Film auf die Suche nach Pejavecic Wurzeln. Was sie dabei finden, sind die Spuren eines von der Musik erfüllten Lebens, welches der Welt einzigartige Werke hinterlassen hat. Die es heute mehr denn je zu entdecken lohnt.

Schon in den ersten Minuten spürt man die große Liebe von Steckeweh und van Beveren zu ihrem Sujet. Die beiden Filmschaffenden haben sich bereits in ihrem Film KOMPONISTINNEN mit musikalischen Werken von Frauen beschäftigt, die in Vergessenheit geraten sind. Kyra Steckeweh und Tim van Beveren nehmen die Zuschauenden mit auf ihre Spurensuche und die aufwendige und bis ins kleinste Detail genaue Recherche nach Dokumenten und Noten der Künstlerin Pejacevic, die 1885 in Budapest geboren wurde und 1923 in München verstarb. Dabei erzählt der Film nicht nur von einer historischen Zeit, die geschickt über den berühmten Schriftsteller und Chronisten Stefan Zweig und seinen Beobachtungen eingebettet wird. Auch ganz persönlich wird der historische Kontext nahbar gemacht durch die zahlreichen Briefe, die von Pejavecic erhalten sind. Außerdem ist DORA – FLUCHT IN DIE MUSIK in erster Linie auch ein Film, der der Liebe zur Musik huldigt. Ganz in diesem Sinne interpretiert Steckeweh die Kompositionen von Pejacevic, die auch heute noch eine unbändige Kraft und Faszination ausüben. Und wenn als einer der Höhepunkte des Films eine ursprünglich für 1922 in Leipzig geplante Aufführung ihrer „Sinfonie in fis-Moll op.41" nun 100 Jahre danach auf Anregung der Filmemacher:in im Leipziger Gewandhaus verwirklicht wird, dann spüren die Zuschauenden die zeitlose Magie, die Musik erschaffen kann. Mit ihrem Porträt einer großen und zu Unrecht vergessenen Künstlerin gelingt Steckeweh und van Beveren nicht nur ein herausragendes Musikporträt. Sondern auch das Kunststück, ein Stück Geschichte in das Hier und Jetzt zu transportieren.
Prädikat besonders wertvoll

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Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Tim van Beveren; Kyra Steckeweh
Drehbuch:Kyra Steckeweh; Tim van Beveren
Kamera:Tim van Beveren; Nils Liebheit; Oliver Eckert
Schnitt:Rita Wally; Tim van Beveren
Musik:Dora Pejacevic
Webseite:dora-pejacevic.com;
Länge:117 Minuten
Kinostart:05.01.2023
Produktion: tvbmedia productions Tim van Beveren, docfilmpool;
FSK:6

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die Pianistin Kyra Steckeweh und Filmemacher Tim van Beveren gingen mit ihrem gemeinsamen Film KOMPONISTINNEN aus dem Jahre 2018 der Frage nach, warum auch heute noch die Kompositionen von Frauen so selten weltweit aufgeführt werden. Und es ist ihr großer Verdienst, dass sie bei den weiteren Recherchen zu diesem Thema auf die Komponistin Dora Peja?evi? gestoßen sind. In ihrer Heimat Kroatien ist sie heute noch ein Begriff, international aber vergessen. Sie wurde 1885 in Budapest geboren, erhielt ihre künstlerische Ausbildung in Dresden und München und verstarb nach der Geburt ihres einzigen Kindes im 37. Lebensjahr im Jahre 1923 in München. Zu ihren Lebzeiten wurden ihre Kompositionen in vielen Städten, zum Beispiel in Dresden, Budapest und Wien, aufgeführt. Nach ihrem Tod geriet sie in Vergessenheit und teilte damit auch das Schicksal vieler anderer Komponistinnen der Musikgeschichte.
Dieser Film wird das Leben einer außergewöhnlichen Frau und ihr Werk verdientermaßen in unsere Zeit zurückführen. Kyra Steckeweh und Tim van Beveren lassen uns teilnehmen an einer jahrelangen Spurensuche. Nur die aufwendige Recherche nach Dokumenten, nach Bildzeugnissen und nach den Noten der Künstlerin, die sie mit viel Glück und auch unter schwierigen Umständen gefunden hatten, in eine filmische Dokumentation einzubringen, war den Beiden glücklicherweise zu wenig. So offenbart sich uns dieser Film auf drei Erzählebenen: Er zeigt uns zum einen lückenlos das Leben der Künstlerin Dora anhand von vielen Bildern, von ihren Briefen – weitgehend in deutscher Sprache verfasst und im Off auch teilweise vermittelt. Professorin Dr. Koraljka Kos, welche die ersten Forschungen zu Dora schon in den 1970er Jahren durchführte und eine Monografie über Dora publizierte, schildert uns eindringlich Details aus ihrem Leben. Professorin Dr. Beatrix Borchard gibt uns Einblicke in die Genderproblematik während der Lebenszeit von Dora und der damals auch ganz allgemeinen Stellung der Frauen. Auf einer zweiten Erzählebene zeigen uns die Filmemacher mit hervorragendem Archivmaterial der Zeit vor und nach der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert den Hintergrund zu Doras Leben, gut kommentiert im Off und vor allem durch die zeithistorischen Erzählungen von Stefan Zweig. Und auf der dritten Erzählebene dürfen wir einige musikalische Kostbarkeiten von Dora, wenn auch nur in Teilen, genießen. Kyra Steckeweh ist das große Vergnügen vorbehalten, Doras Werke persönlich am Piano vorzutragen. Dass die Spurensuche über Dora letztlich dazu führen konnte, dass die für 1922 in Leipzig geplante Aufführung ihrer „Sinfonie in fis-Moll op.41" durch den plötzlichen Tod des damaligen Orchester-Dirigenten scheiterte, nun 100 Jahre danach im Leipziger Gewandhaus verwirklicht werden konnte, ist ein weiterer Höhepunkt dieses Films. In der Diskussion durch die Jury nach der Vorführung tauchte auch die Frage auf, ob dieser Film nur als Dokumentarfilm eingestuft werden kann. Der lange Weg der Spurensuche nach Dora und die jahrelange Recherche weltweit zeigt uns der Film auch durch die szenische Einbringung der Filmemacher dabei selbst. Eine Form, welche von einigen Mitgliedern der Jury auch kritisch gesehen wurde. Andere werteten diese aber als schöne Begleitung durch einen an Informationen reichen Film, auch als Ruhepunkte, und letztlich Beweis für das große Engagement von Kyra Steckeweh und Tim van Beveren für die Gleichberechtigung von Frauen. Ein großes Lob verdient die gute Kamera- und Lichtarbeit und vor allem die sehr aufwendige, präzise Montage mit liebevollen Details. Eine Montage, die perfekt die drei Erzählebenen mit sehr schönen Übergängen mit den Rechercheszenen verknüpfte. Also insgesamt ein hervorragend gelungener Film über Leben und Werk einer großen Frau.