Die Pionierin

Filmplakat: Die Pionierin

FBW-Pressetext

Ende des 19. Jahrhunderts. Der Film erobert die Leinwand. Die Gebrüder Lumière starten ihre Vorführungen der ersten bewegten Bilder in Frankreich. Da wird eine Frau auf ihr Wirken aufmerksam: Alice Guy, die bei dem Hersteller fotografischer Apparate Gaumont als Sekretärin tätig ist, erkennt die Faszination des neuen Mediums und beschließt von da an, selbst Filme zu drehen. Als künstlerische Leiterin der Filmstudios Gaumont realisiert sie hunderte von Filmen bis sie 1907 in die USA immigriert und in New Jersey ihr eigenes Filmstudio aufbaut. Sie setzt ihre Karriere als Regisseurin und Produzentin fort. Im Jahr 1920 zieht sie sich aus dem Business zurück, 1968 stirbt sie, fast vergessen. Die Filmemacherin Daniela Abke verwendet für ihren Dokumentarfilm sowohl Ausschnitte aus Guys Filmen als auch Original-Tonaufnahmen aus einem Interview mit der Regisseurin. Zwar ergeben diese Ausschnitte nur einen fragmentarischen Einblick in das große vielfältige Werk der Künstlerin, aber schon hier zeigt sich, welch überwältigende Leistung es war, sich im Filmgeschäft als selbständige Frau zu behaupten. Und gleichgültig, ob Melodram oder Komödie: Im Zentrum von Alice Guys Filmen stehen sehr häufig starke Frauen. So wie sie eine war. Eine gelungene und lange überfällige Hommage an eine große Visionärin, die nie mehr in Vergessenheit geraten sollte.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm; Kurzfilm
Regie:Daniela Abke
Drehbuch:Daniela Abke
Schnitt:Daniela Abke
Musik:Christopher Bowen
Länge:13 Minuten
Produktion: Daniela Abke
FSK:0
Förderer:BKM; Film- und Medienstiftung NRW

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Ein tiefer reizvoller Rückblick in die Filmgeschichte und eine faszinierende Entdeckung: Mit dieser Dokumentation über Alice Guy wird eine bedeutende Filmemacherin aus der Frühzeit des Films verdientermaßen ins Licht der Öffentlichkeit zurückgeführt. Die frühen Werke der Stummfilmzeit zwischen 1895 und 1920 waren von männlichen Autoren, Produzenten und Regisseuren geprägt. Alice Guy jedoch war eine Frau von Bedeutung in einem Filmmarkt, welcher auch bedingt durch die anfängliche Kürze der Filme (Einakter, dann Zwei- und schließlich Mehrakter und erst ab 1910 die ersten Langfilme) ungeheure Mengen an Filmen produzierte. Das in Ausschnitten in diesen Film eingebrachte Archivmaterial von Filmen Alice Guy’s zeigt im Gegensatz zur Masse der anderen Produktionen dieser Epoche die besondere Handschrift einer Frau und entsprechender Themen. So bekommt der Zuschauer Zugang zur Persönlichkeit der Filmemacherin, ergänzt durch ihre erklärende Stimme im Off. Die liebevolle Hommage an eine außergewöhnliche Frau ist gut montiert, beweist aber gleichzeitig auch die Vergänglichkeit des Mediums im schnell drehenden Rad der Weltgeschichte. Ein melancholischer Blick zurück, der die Neugier nach mehr biographischen und filmischen Details aus dem Leben von Alice Guy groß macht. Schade daher, dass erkennbar ein Bild der Protagonistin im Film fehlt.