Kurzbeschreibung

Die Klohexe ist ein Familienfilm, in dem sich zwei Kinder in eine Fantasiewelt flüchten, um sich vor dem Alkoholismus ihrer Mutter zu schützen. Dort kämpfen sie gemeinsam gegen eine Klohexe, eine imaginäre Feindin, der sie die Schuld am Schicksal ihrer Mutter geben.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Kindlicher Fantasie ist zumindest fast keine Grenze gesetzt. Erst recht nicht, wenn diese Fantasie eingesetzt werden muss, um sich in einer nicht gerade schönen real umgebenden Welt behaupten zu können.

DIE KLOHEXE entführt seine Zuschauer nach La Réunion. Aber nicht an die Strände der touristischen Sonnenseite der Insel, sondern in das La Réunion der Einheimischen, das deutlich von Arbeitslosigkeit und mitunter auch starkem Alkoholismus geprägt ist. Filmemacherin Joey Arand folgt zwei Kindern, einem Jungen und seiner etwas jüngeren Schwester, die vor dem Eintreffen eines Zyklons bei ihrer vom Vater getrennt lebenden Mutter abgegeben werden. Während vor den verschlossenen Fenstern und Türen der Sturm heult und ächzt, versuchen die Kinder sich den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Das ist allerdings nicht so einfach, wenn die Mutter ein ernsthaftes Alkoholproblem hat.

In Joey Arands Kurzfilm trifft kindliche Vorstellung auf erwachsene Realität. Damit der Gang zur Toilette allen Schrecken verliert, wird flugs eine Geschichte erfunden. Eine imaginäre Klohexe muss bekämpft werden, und damit auch das Alkoholproblem der wenig fürsorgenden Mutter. Ein schöner Einfall, der auch mit Originalität umgesetzt wird. Ein Konzept scheint für DIE KLOHEXE augenscheinlich das Drehbuch ersetzt zu haben und das kreiert verblüffende Resultate. Arand lässt die Kinder vor der Kamera sie selbst sein und nicht nach Skript agieren, so dass die Zuschauer in beinahe voyeuristischer Nähe ihrem Spiel beiwohnen dürfen.

Getragen wird der Film vor allem durch das herausragende Spiel der Kinder. Insbesondere das Mädchen agiert so wunderbar frei und so lebensecht, dass Zuschauer ohne Probleme in das kindliche Spiel eintauchen dürfen. Überhaupt erzählt DIE KLOHEXE häufig quasi aus Augenhöhe des Mädchens. Das schafft eine gewisse Nähe und Vertrautheit zu den Kindern, kann andererseits aber immer wieder lediglich angedachte Problematiken nicht zu Ende bringen, sondern bestenfalls kurz belichten. Auf den erwachsenen Zuschauer wirkt es allerdings irritierend, wenn z.B. das pädophile Verhalten eines Onkels im Film erwähnt, nicht aber weiter verfolgt wird.

Und auch in anderer Hinsicht hat der Film an mehreren Stellen Verwirrung ausgelöst. So wirkt die Mutter innerhalb des Handlungstages abwechselnd nüchtern, dann sturzbetrunken, im weiteren Verlauf wieder relativ nüchtern, um letztlich offenbar in ein alkoholinduziertes Koma zu fallen. Hier erscheinen der Jury die Stadien des Rauschs ein wenig zu beliebig gewählt. Auch ein Hund, den die Kinder, entgegen des lautstarken Protests der Mutter, heimlich ins Haus holen, sorgt bei der Jury für Irritation. Dann nämlich, als er nach einiger Zeit verschwunden, d.h. für den Zuschauer nicht mehr auffindbar ist. Und selbst das Chaos, das die Kinder in ihrem Spiel anrichten, ist am Morgen nach dem Sturm beseitigt, ihr Zimmer von Zauberhand aufgeräumt. Über solche Ungereimtheiten hat die Jury zunächst nur gestaunt, sie dann aber doch als Regie- oder Continuity-Fehler gewertet.

Insgesamt hat Arand nach Ansicht der Jury vielleicht zu wenig Zeit auf die Postproduktion verwandt, wie auch das nicht ganz eindeutige Montagekonzept zeigt. Das ist schade, denn DIE KLOHEXE ist ein atmosphärischer Film, der seine Qualitäten nach noch ein wenig mehr Bearbeitung noch sehr viel besser hätte präsentieren können. So aber wirkt er auf die Jury in sich nicht vollständig überzeugend in filmtechnischer Hinsicht.

Viel beeindruckender als die handwerkliche Qualität empfand die Jury die Originalität und Kreativität des Films. So ist der Kampf gegen die Klohexe mit sehr viel Liebe für Details und Fantasie realisiert worden. Mit erfunden Masken und virtuosem Lichtspiel treten die Kinder der imaginären Kreatur in den Tiefen des Klos entgegen. Sie überwältigen sie in einem Mordsspektakel, mit einem toxischen Trank aus Putzmitteln und Alkohol(!). Der Kampf gegen die Klohexe wird zum clever inszenierten Reinigungsritual. Aus dem Kampf um die Vorherrschaft um Haus und die Gesundheit der Mutter werden die Kinder als kleine Helden hervorgehen.

Für seine Originalität und Inspiration und in Abwägung aller Argumente vergibt die Jury dem Film DIE KLOHEXE nach ausgiebiger Diskussion gerne das Prädikat „wertvoll“.