Die jungen KADYAS

Kinostart: 04.11.21
2019

FBW-Pressetext

Ein inspirierender Einblick in ein internationales Jugendmusikprojekt.

25 Mädchen aus Israel und Deutschland machen sich auf die Reise, Lieder zu lernen und zu singen, die die polnische Dichterin Kadya Molodowsky als Gedichte schrieb und zu denen Alan Bern Melodien komponierte. Der Dokumentarfilm liefert spannende Einblicke in ein länderübergreifendes Chorprojekt und macht deutlich, wie sehr die Kraft der Musik Landesgrenzen überwinden kann.

Der Dokumentarfilm in der Regie von Yvonne Andrä, Wolfgang Andrä und Eyal Davidovitch präsentiert das Chorprojekt „Voices of Peace“ ganz aus der Innensicht der Gruppe selbst. Die Filmemacher halten sich mit jeglichem Kommentar zurück und lassen die jungen Protagonistinnen selbst zu Wort kommen. Indem sie sich mit den jiddischen Texten der Dichterin Kadya Molodowsky beschäftigen und sie mit ihrem Gesang zu neuem Leben erwecken, reflektieren sie auch ihre eigene Erlebnis- und Gedankenwelt. Dazu lernen sie viel über die Zeit, in der Molodowsky lebte und über die Umstände, in denen die Lieder entstanden. Der Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald zeigt die Bedeutung eines solchen länderübergreifenden Projektes, das vorbildhaft für andere Unternehmungen sein kann. Auch als Zuschauer*in erhält man – durch die sorgfältig aufbereiteten Liedtexte – einen einzigartigen Einblick in die Schönheit der jiddischen Dichtung und Komposition. Lob verdient die Entscheidung die Texte in Untertiteln zu übersetzen. Dass das Projekt unterschiedliche Kulturen und Vorstellungen von Disziplin und Arbeitsweisen miteinander vereint, machen auch die Sequenzen deutlich, in denen eben jene unterschiedlichen Vorstellungen konfliktreich aufeinander treffen. Doch am Ende – und das macht der Film mit einer berührenden Schlusssequenz deutlich – eint die Beteiligten mehr als sie trennt. Ein hoffnungsvolles Signal und ein starkes Statement für die Inspiration, die ein solches Projekt auslösen kann.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Yvonne Andrä; Wolfgang Andrä; Eyal Davidovitch
Drehbuch:Yvonne Andrä
Kamera:Marius Böttcher
Schnitt:Wolfgang Andrä
Musik:Alan Bern
Länge:103 Minuten
Kinostart:04.11.2021
Produktion: 1meter60 Distribution
Förderer:Thüringer Filmförderung

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Weimar bietet mit der „Schola cantorium Weimar“ jungen Mädchen die Chance der gesanglichen Ausbildung für einen Chor. Und in Jaffa bekommen jüdische und arabische Mädchen in Israels einzigem gemischtem Chor „Voices of Peace“ eine Ausbildung gleichermaßen. Das einzigartige „Kadya-Chorprojekt“ brachte diese beiden Chor-Schulen zusammen. Ziel der Probenarbeit sollte sein, ein gemeinsames Konzert nur in jiddischer Sprache in Weimar zu verwirklichen. Ziel war es aber auch, Menschen unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Religionen näher zu bringen. Was zeigt uns der Film über dieses Projekt, welche Themen will er uns vermitteln? Der erste Teil des Films spielt in Israel. Die deutschen Mädchen, die für dieses Chor-Projekt ausgewählt wurden, treffen in Jaffa auf die arabischen und jüdischen Mädchen. Wir erfahren viel über die jiddische Kultur und Sprache und warum das geplante Konzert sich ausschließlich auf jiddische Lieder konzentrieren soll. Wir sehen das gegenseitige Kennenlernen der Mädchen, das Erleben eines fernen Landes für die deutschen Mädchen. Dann der Beginn der gemeinsamen Proben. Das stark reglementierte Prüfverfahren des israelischen Staates für die eigenen Mädchen, damit diese die Reise nach Deutschland machen können. Der Flug nach Deutschland. Das Kennenlernen von Weimar und vom KZ Buchenwald. Die Weiterführung der Proben und schließlich das Konzert, das wir am Ende nur in kleinen Ausschnitten erleben. In den im Film eingestreuten Proben hören wir schon viele der jiddischen Lieder mit textlichen Einschüben im Bild und sogar mit deutschen Übersetzungen. Dazu viele Gespräche zwischen den Mädchen, die wir im Laufe des Films dadurch besser kennen lernen. Ungeschminkt erzählen sie über ihre Träume und Lebensziele, über ihre Ängste und Konflikte, über ihre Herkunft, ihre Identität. Das besondere Verhältnis zwischen Deutschland und Israel wird ebenso thematisiert wie auch die kleinen Probleme im Umgang mit den verantwortlichen Projektleitern und Chorleitern. All dies wurde mit einer sehr schönen Kamera eingefangen und in übersichtlichen Kapitelbeschreibungen eingeteilt, perfekt montiert. Ein Lob verdient auch die gute Tonarbeit und die Auswahl der sehr schönen Lieder. Der Blick auf dieses Projekt kommt von innen, aus dem Projekt. Somit entfällt eine Kommentierung von außen, was eine politische und gesellschaftskritische Betrachtungsweise insoweit ausschließt, sofern sie nicht durch die Mädchen und die Statements der Chorleiter geschieht. DIE JUNGEN KADYAS bietet als Dokumentation eines Projektes eine übergroße Fülle an Informationen, an Themen, an Gesprächen, an Bildern. (...) In Abwägung aller Argumente und nach ausführlicher Diskussion verleiht die FBW-Jury dem Film gerne das Prädikat „wertvoll“.