Der Fall Richard Jewell

Filmplakat: Der Fall Richard Jewell

FBW-Pressetext

Das fesselnde Drama von Clint Eastwood erzählt die wahre Geschichte des Wachmanns Richard Jewell, der 1996 nach der Verhinderung eines Terrorakts zunächst als Held gefeiert und dann von Medien und Justiz als Verdächtiger gejagt wurde.

Am 27. Juli 1996 erreicht die Veranstalter eines Konzerts ein Anruf: „Auf dem Gelände befindet sich eine Bombe. Sie haben eine halbe Stunde Zeit.“ Noch vor dem Anruf schlägt der Wachmann Richard Jewell wegen eines verdächtig aussehenden Rucksacks Alarm. Doch da der eher unscheinbare Security-Angestellte als Pedant bekannt ist, glaubt ihm zunächst niemand. Und doch kann dank ihm eine schnelle Evakuierung verhindern, dass Hunderte Menschen sterben. Richard Jewell wird zum Helden. Doch das FBI zweifelt seine Geschichte an. Wie konnte er so schnell wissen, dass Gefahr im Verzug ist? Als dann auch noch ehemalige Kollegen von Richard schlecht von ihm reden, ist für die Behörden der Fall klar. Und aus dem gefeierten Helden wird ein möglicher Tatverdächtiger. Einzig seine Mutter und der Rechtsanwalt Watson Bryant glauben an seine Unschuld. Wie bereits in SULLY beschäftigt sich Clint Eastwood auch in DER FALL RICHARD JEWELL mit einem Menschen, der vom Helden zum Gejagten der Medien und Justiz wird. Das Drehbuch von Billy Ray vermittelt mit dialogstarken Sequenzen eine große Spannung, zu der auch die exzellente Kamera von Yves Belanger beiträgt. Sam Rockwell als Watson Bryant ist wie Richard eine Antiheldenfigur und ein Realist, der die Windmühlen, gegen die er kämpft, sehr wohl erkennt. Und Kathy Bates vereint in ihrer Darstellung als Richards Mutter Verzweiflung und löwenhafte Kampfbereitschaft. Gegen Ende des Films hat sie ihren berührendsten Auftritt, als sie die versammelte Presse, für die Olivia Wilde als Beispiel der rigoros rücksichtslosen Journalistin steht, aufruft, den Namen ihres Sohnes wieder reinzuwaschen. Die Entdeckung des Films ist Paul Walter Hauser, der die Figur des Richard mit ehrlich berührender Authentizität spielt. Sein Hang zur obrigkeitshörigen Pedanterie macht seine Stellung als Sympathieträger nicht einfach, doch am Ende ist der Film so nahe bei ihm, dass man als Zuschauer nur pure Empathie empfinden kann. DER FALL RICHARD JEWELL macht eindringlich und mit zeitloser Aussage sichtbar, wie fragil der Begriff der Wahrheit ist, wenn Justiz und Medien ihn als Spielball für ihre Zwecke benutzen. Fesselndes Erzählkino, eindrücklich gespielt und meisterhaft inszeniert.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Clint Eastwood
Darsteller:Paul Walter Hauser; Sam Rockwell; Brandon Stanley; Ryan Boz; Charles Green; Olivia Wilde; Mike Pniewski; Jon Hamm; Ian Gomez; u.a.
Drehbuch:Billy Ray
Buchvorlage:Kent Alexander; Kevin Salwen
Kamera:Yves Bélanger
Schnitt:Joel Cox
Musik:Arturo Sandoval
Länge:131 Minuten
Verleih:Warner
Produktion: Appian Way Productions, Misher Films; 75 Year Plan Productions; The Malpaso Company;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Clint Eastwood ist inzwischen 89 Jahre alt, doch sein neuer Film DER FALL RICHARD JEWELL ist alles andere als ein Alterswerk. Auch hier erzählt er wieder die Geschichte vom “American Hero“, die er sowohl in seinen Rollen wie auch bei seinen Regiearbeiten immer wieder aus anderen Blickwinkeln behandelt. Diesmal ist sein Protagonist wohl der seltsamste und unwahrscheinlichste Held in Eastwoods Erzählkosmos, denn Richard Jewell ist ein übergewichtiger, linkischer Wichtigtuer, der gerne in Uniform eine Autoritätsperson mimt, aber noch Zuhause bei seiner Mutter wohnt. Doch Jewell hat seinen Moment der Größe, wenn er bei dem Bombenattentat auf die Olympischen Spiele in Atlanta als Erster die Bombe entdeckt und viele Menschenleben rettet, indem er die Evakuierung in Gang setzt. Aber für das FBI und die Presse ist er ein perfekter Sündenbock, und als er verdächtigt wird, selber der Attentäter zu sein, beginnt eine Hexenjagd auf ihn, die ihn dann tatsächlich zu einem Helden werden lässt. Die wahre Geschichte hat Eastwood mit Souveränität und viel Empathie für seinen Titelhelden inszeniert. Exemplarisch wird hier gezeigt, wie zwei Machtsysteme, der Polizeiapparat und die Presse, die Existenz eines Unschuldigen existentiell bedrohen können. Ihre Vertreter sind eine ehrgeizige Reporterin und ein FBI-Agent, der unbedingt einen Schuldigen präsentieren will. Sie werden von Olivia White und Jon Hamm verkörpert, beide selbstbewusste Siegertypen, während Richard Jewell, mit hängenden Schultern und einem unsicheren Blick, von Paul Walter Hauser sehr überzeugend und berührend als ein Mensch verkörpert wird, der der Situation, in die er geworfen wurde, lange Zeit nicht gewachsen ist. An seiner Seite sind ebenfalls zwei Außenseiter: Sam Rockwell gibt einen gewitzten, rebellischen Anwalt und Kathy Bates spielt Richard Jewells Mutter, die mit ihrer Empörung und Verzweiflung das moralische Zentrum des Films bietet. Alle Rollen sind perfekt besetzt und Eastwood erzählt mit dem von ihm gewohnten schnörkellosen Realismus, der den Film zugleich zu einem gesellschaftspolitischen Lehrstück und berührendem Gefühlskino werden lässt.