Der Fall

FBW-Pressetext

Drei Leute saßen im Café, als der Mann hereingekommen ist. Alle sahen ihn, aber nicht alle sahen den Esel, den er draußen angebunden hat. Keiner konnte sagen, wie alt er war, keiner konnte sich erinnern, was er bestellt hat. Doch jeder hat die Waffe gesehen, die er zusammenbaute. Wohin er ging, wusste keiner. Doch kurze Zeit später sind drei Menschen tot. Und das Leben der Leute im Café hat sich mit einem Schlag verändert. Der Film von Aleksandre Koberidze schildert die Geschichte eines Kriminalfalls ohne Aufklärung. Im Protokollstil erzählt, werden dem Zuschauer die Zeugen, der Täter und die Opfer gezeigt. Doch die Bildsprache ist ausgeklügelt und verrätselt die Zusammenhänge. Interessante und originelle Bildausschnitte, Kameraperspektiven und Schnitte wecken eine Neugier, wie sie für einen Krimi ganz typisch ist. Und in nur 10 Minuten gelingt Koberidze sowohl eine Figuren- als auch eine Milieustudie. Spannendes, anregendes und geistreiches Kurzfilmvergnügen voller Fragezeichen. So geht Krimi.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Kurzfilm
Regie:Aleksandre Koberidze
Darsteller:Anka Baier; Emilio De Marchi; Beniamin Forthi
Drehbuch:Aleksandre Koberidze
Kamera:Marius Flucht
Schnitt:Aleksandre Koberidz
Musik:Cobert
Webseite:;
Länge:10 Minuten
Verleih:DFFB
Produktion: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH (DFFB), Arte;
Förderer:dffb

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Wundersame Dinge spielten sich eines Tages in einer Bäckerei ab. Ein Mann, der von einem draußen wartenden Esel begleitet wurde, betrat den Ladenraum und löste bei zwei Kunden und dem Bäcker seltsame, übernatürliche Veränderungen aus. Die Schwangerschaft einer Jungfrau, die Buße eines Sünders und die Bekehrung eines Passanten sind Versatzstücke aus der christlichen Religion, und auch andere Zeichen deuten darauf hin, dass ein Heilsbringer in der Bäckerei erschienen ist. Andererseits reinigt er im Laden seinen Revolver, und mit solch einer Waffe werden gleichzeitig in verschiedenen Bezirken der Stadt drei Menschen erschossen. Diese Geschehnisse werden stilisiert und sehr minimalistisch inszeniert, wobei die Todesfälle als Standbilder in gemalten Kulissen gezeigt werden. Auf der Tonspur wird der „Fall“ im Stilmittel der Formulierungen von Polizeiberichten referiert und dabei wird die Unzulänglichkeit solcher offiziellen Deutungen angesichts von Wundern deutlich. Aleksandre Koberidze inszeniert dieses absurde Drama mit einer ständig überraschenden Bildfindung. Dadurch ist der Film zugleich sachlich und poetisch. Die Jury überzeugte die Originalität von Koberidzes Vision. Hier erzählt ein Regisseur eigenwillig, einfallsreich und dabei auch durchaus unterhaltsam. Sein Film bleibt ein faszinierendes Rätsel.