Das schaurige Haus

Filmplakat: Das schaurige Haus

FBW-Pressetext

Bei diesem schaurig-unterhaltsamen Kinogruselspaß ist Nervenkitzel garantiert

Die Verfilmung des gleichnamigen Jugendromans von Martina Wildner erzählt die Geschichte des 16-jährigen Hendrik, der mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder nach Kärnten in ein altes, heruntergekommenes Haus zieht, in dem es zu spuken scheint. Mit einer raffinierten Inszenierung, großartigen DarstellerInnen und einer rätselhaft packenden Story ist der Film superspannende Unterhaltung für junge Gruselfans.

Die österreichisch-deutsche Koproduktion in der Regie von Daniel Prochaska liefert Nervenkitzel und Spannung, welche weit über die traditionellen Abenteuergeschichten für die Zielgruppe im Kino hinausgehen. Die Clique der Hauptfiguren ist quer durch die Altersstufen zusammengewürfelt, keine Figur wirkt überzeichnet, und dazu wird der Gruselfaktor von Prochaska und seinem Team mit einem guten Gespür für Timing und jeder Menge genretypischer Zitate perfekt eingesetzt. Zwar gibt es einige auch größere Schreckmomente, doch die werden von der Inszenierung gut aufgefangen und bieten auch immer wieder Platz für lustige Momente, sodass die Angst nie überbedrohlich im Raum stehen gelassen wird. Montage, Musik und vor allem auch die Ausstattung schaffen eine wohlig gruselige Spukatmosphäre, bei der man in den einzelnen Bildern immer wieder reizvolle Details erkennen kann. So begibt man sich mit Hendrik (Leon Orlandianyi) und seiner neuen Freundin Ida (Marii Weichsler), die als absolut natürliche Identifikationsfiguren gespielt werden, sowie mit den kleinen Geschwistern Eddi und Fritz auf die abenteuerliche Suche nach einem düsteren Familiengeheimnis. Den vieren dabei zuzuschauen, hat nicht nur einen hohen Nervenkitzelfaktor, sondern bietet auch jede Menge Kinospaß.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Jugendfilm; Spielfilm
Regie:Daniel Prochaska
Darsteller:Leon Orlandianyi; Benno Rosskopf; Julia Koschitz; Marii Weichsler; Lars Bitterlich; Michael Pink; Inge Maux; Markus Stubeier; Luca Streussnig; Elfride Schüsseleder; Michael Somma; Finn Reiter
Drehbuch:Timo Lombeck; Marcel Kawentel
Buchvorlage:Martina Wildner
Kamera:Matthias Pötsch
Schnitt:Alarich Lenz
Musik:Karwan Marouf
Länge:99 Minuten
Kinostart:
Verleih:Farbfilm Verleih
Produktion: Mona Film Produktion GmbH, naked eye filmproduction;
FSK:12
Förderer:Nordmedia; FilmFonds Wien; Österreichisches Filminstitut; FISA; ORF

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.

Der Filmeditor Daniel Prochaska, der zuvor durch die Montage von Filmen wie „Das finstere Tal“ und „Blutgletscher“ auf überaus erfolgreiche Weise Erfahrungen mit dem Genrefilm sammeln konnte, legt mit DAS SCHAURIGE HAUS nun sein Kino-Regie-Debüt vor. Wie sehr sein Herz am Genrefilm hängt, ist diesem Jugendfilm in nahezu jedem Moment anzumerken. In einer fein inszenierten Variante des Haunted-House-Horrorfilms wimmelt es vor Anspielungen auf filmische Vorbilder: Vom berühmten Anreise-Top-Shot aus „The Shining“ über Einstellungen aus „The Amityville Horror“ bis hin zur „Poltergeist“-Atmosphäre und klaren Referenzen an Filme von Guillermo del Toro in der Gestaltung des Gespenstischen atmet der Film den Geist jüngerer Genrefilm-Geschichte. Selbst die bemerkenswerte Filmmusik erinnert mit ihren elektronischen Synthesizerklängen an den unabhängigen Horrorfilm der 1980er Jahre. Die Zielgruppe des Films, Jugendliche ab etwa 12 Jahre, so schätzt die Jury, mag eine Vielzahl dieser Vorbilder nicht kennen, was für den Genuss des Films aber auch unerheblich sein dürfte, da die genannten Referenzen und Zitate keinen Selbstzweck erfüllen, sondern auf eine Weise eingesetzt sind, dass sie Atmosphäre, Wirkung und Ausdruck von Geschichte und Figuren in idealer Form unterstützen. Das kreative Team weiß exakt, welche Knöpfe zu drücken sind, und variiert mit großer Lust die Regeln und Regler des Genres. Und wenn die Protagonist*innen sich vor der Flucht in ein Höhlensystem noch schnell am Eingang eine gelbe Regenjacke überziehen, dann darf das amüsant finden, wer die Serie „Dark“ gesehen hat - alle anderen verpassen nichts.
Der Ideenreichtum in der Umsetzung des auf einem Roman basierenden Films erstreckt sich auch auf die Ausgestaltung der Subplots: die erstaunlich unverkrampft erzählte Liebesgeschichte der beiden Hauptfiguren und damit verbunden Coming-of-Age-Elemente zum einen und der augenzwinkernde Culture-Clash zwischen Österreich, Deutschland und Slowenien zum anderen. Das Figurenensemble funktioniert ausgesprochen gut, gerade die Gruppe aus 10-, 14- und zwei 16-Jährigen agiert wie selbstverständlich zusammen und wird insbesondere im Haus immer wieder stilsicher inszeniert. Die Mädchenfigur im Ensemble ist jene, von der im Grunde die größte Sicherheit ausgeht in Bezug auf die Gefahren, denen sich die Jugendlichen stellen müssen. Diese „Stärke“ wirkt niemals aufgesetzt, sondern ergibt sich sehr organisch aus Buch, Inszenierung und Spiel. Dazu gestaltet Julia Koschitz wiederum ihre Mutter-Figur natürlich und modern und deutlich abseits der in Kinderfilmen häufig zu sehenden überzogenen und dümmlich wirkenden Erwachsenenfiguren.
Der Schluss des Films hat die Jury nicht vollends überzeugt, insbesondere der Rhythmus in Bezug zum Rest des Films wirkt etwas hastig, auch die zuvor gezeigte erzählerische und filmische Präzision scheint nachzulassen. Trotzdem aber ragt der Film dank einer atmosphärisch starken und erzählerisch sicheren Regie- sowie einer runden Produktionsleistung aus dem Gros der Abenteuerfilme für Jugendliche deutlich positiv heraus.