Contra

Kinostart: 23.12.20
2020
Filmplakat: Contra

FBW-Pressetext

Hochaktuelle Culture-Clash-Komödie mit Christoph Maria Herbst in Hochform

In Sönke Wortmanns neuer Komödie muss der zynische Uni-Professor Richard Pohl die Erstsemester-Jurastudentin Naima auf einen Rhetorik-Wettbewerb vorbereiten. Da Pohl Naima beim ersten Kennenlernen im Hörsaal rassistisch beleidigt hat, ist der Wettbewerb seine einzige Chance, seinen Job zu behalten. Die amüsante Culture-Clash-Komödie überzeugt dank dem großartigen Zusammenspiel der Hauptdarsteller*innen und seiner hochaktuellen Fragestellung über Vorurteile, Stereotypen und dem, was unsere Gesellschaft daraus macht.

Als Adaption einer französischen Komödie kann CONTRA auch als eigenständiger Film überzeugen, der dank seines hochaktuellen Themas und seines leichten Umgangs damit seine positive Botschaft überzeugend und empathisch vermitteln kann. Christoph Maria Herbst kann als menschenverachtender und vorurteilsbehafteter Uniprofessor alle schauspielerischen Register ziehen und findet in Nilam Farooq eine mehr als adäquate Spielpartnerin. Am Ende ist es Naimis Geschichte, die weit über die spritzig geschriebenen Dialoge und spitzen Wortgefechte hinaus etwas über die reale Situation von Menschen mit Migrationshintergrund erzählt, die in Deutschland teilweise seit ihrer Geburt leben, aber nur geduldet sind und nie wirklich in der Gesellschaft ankommen. Das Setting in Frankfurt mit den diversen Milieus ist treffend in Szene gesetzt, und die Dramaturgie sorgt für 104 Minuten kluge Unterhaltung, die mal zum Lachen, mal zum Nachdenken und sicher auch zum eifrigen Diskutieren anregt.

Filminfos

Gattung:Komödie; Spielfilm
Regie:Sönke Wortmann
Darsteller:Nilam Farooq; Christoph Maria Herbst; Hassan Akkouch; Ernst Stötzner; Meriam Abbas; Mohamed Issa
Drehbuch:Doron Wisotzky
Buchvorlage:Yvan Attal
Kamera:Holly Fink
Schnitt:Martin Wolf
Musik:Christoph Becker
Länge:104 Minuten
Kinostart:23.12.2020
Verleih:Constantin Film Verleih GmbH
Produktion: Constantin Film Produktion, Seven Pictures Film GmbH;
FSK:12
Förderer:FFA; Film- und Medienstiftung NRW

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Sönke Wortmann inszenierte mit Contra eine Adaption des französischen Spielfilms Die brillante Mademoiselle Neïla (2018), der auch in den deutschen Kinos zu sehen war. Er verlegte hierzu das Geschehen an die Universität von Frankfurt am Main und besetzte den Film programmatisch mit Christoph Maria Herbst in der Rolle des Professors.
Alles beginnt mit einem rassistischen Ausfall in der Jura-Vorlesung von Professor Richard Pohl (Christoph Maria Herbst), der seine zu spät eintretende Studentin Naima (Nilam Farooq) vorführt und aufgrund ihres arabischen Aussehens diskriminiert. Um seinen Fehler wieder auszubügeln, wird er vom Disziplinarausschuss dazu genötigt, der ambitionierten jungen Frau bei einem wichtigen Debattierwettstreit als Mentor zur Seite stehen. Der Dozent und die Studentin überwinden nach und nach ihre milieubedingten Unterschiede und wachsen sie zu einem überzeugenden Team zusammen. Naima findet zudem mit ihrer Liebe zusammen und reift zu einer überzeugend argumentierenden Anwältin.
Seinem Budget angemessen ist Contra gekonnt inszeniert und entwirft ein selten gesehenes, spannendes Stadtbild von Frankfurt, einer Stadt, die vom Kino immer noch entdeckt werden muss. Peripherie, Innenstadt und Campus bieten eine kinotaugliche Größe, die überzeugend vermittelt wird. Die Musikgestaltung hingegen baut auf konsensuelle Stereotypen, Popsongs und melodramatische Emotionalisierung. Das ist nicht störend, jedoch wird bald deutlich, dass der Film ein möglichst großes Publikum ansprechen möchte und Irritationen bewusst vermeidet. Er soll das Publikum zufrieden zurücklassen.
Bezüglich der Dramaturgie entwickelt sich die Handlung sehr geradlinig und ohne zu große Ambivalenz. So manches mag behauptet wirken.
Dennoch ist die sozialkritische Komödie Contra zweifellos auch als Diskussionsanstoß gemeint und einsetzbar. Es kommt dem Film zugute, dass er Identifikationsmodelle für unterschiedliche Generationen schafft. Auch erfährt das Publikum einige interessante Details über Rhetorik, Diskurs und die Kunst der Debatte. Der Film zielt so auf eine Infragestellung monolithischer identitärer Positionen und plädiert für eine Polyphonie der Meinungen – sofern dabei keine Diskriminierung im Spiel ist.
Schauspielerisch wird der Film deutlich von der jungen Nilam Farooq getragen, die ihre Rolle intensiv ausfüllt und eine überzeugende ‚Chemie’ zu dem von Christoph Maria Herbst durchaus typisch verkörperten Professor etabliert. Man könnte es, so die Jury, als Schwäche des Films auslegen, gerade ungewöhnliche Lösungen zu vermeiden - doch dies ist zugleich auch seine Stärke: Sönke Wortmanns Contra vermittelt auf unterhaltsame Weise ein breites Kaleidoskop von sozialen Themen, Problemen und Milieuschilderungen effektiv an ein zweifellos großes Zielpublikum. Und ist mit diesem Anspruch, den der Film mehr als überzeugend erfüllt, mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ auszuzeichnen.