Astrid

Kinostart: 06.12.18
2017
Filmplakat: Astrid

FBW-Pressetext

Berührender Spielfilm über die junge Astrid Lindgren, die mit 18 Jahren ungewollt schwanger wird und ihr Heimatdorf verlassen muss, um in Stockholm ein neues Leben zu beginnen.
Schweden, Anfang des 20. Jahrhunderts. Astrid Lindgren wächst mit ihren jüngeren Geschwistern auf dem Bauernhof ihrer Eltern im ländlichen Vimmerby auf. Obwohl die Eltern streng sind, sind sie auch darauf bedacht, ihre Kinder mit Wärme zu frei denkenden und selbstbewussten Menschen zu erziehen. Und so darf Astrid, als sie 18 ist, in der lokalen Zeitung ein Volontariat beginnen. Doch dann verliebt sich Astrid in den verheirateten Chefredakteur des Blattes – und wird schwanger. Ihre Eltern beschließen, dass es das Beste wäre, wenn Astrid Vimmerby verlässt, um in Stockholm eine Ausbildung als Sekretärin zu absolvieren und ihr Kind zu bekommen. Als ihr Sohn Lasse geboren wird, muss Astrid ihn bei einer Pflegemutter lassen. Doch die Sehnsucht nach ihrem Kind und der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben lassen die junge Frau um beides entschlossen kämpfen. ASTRID von Regisseurin Pernille Fischer Christensen erzählt seine Geschichte nach Motiven aus dem Leben der jungen Astrid Lindgren. Und obwohl der Film nur in einer dramaturgischen Klammer Lindgren als berühmte Autorin zeigt, die von allen Kindern auf der Welt für ihre Geschichten geliebt wird, zeigt sich doch im Film auch immer wieder die große Fantasie und die unbändige Lust am Leben, die sich später in all ihren Geschichten wiederfindet. Dazu macht der Film klar, dass Astrid Lindgren eine moderne Frau war, die sich gegen all die Widerstände der Gesellschaft und die Ansichten ihrer Eltern auflehnte. Die konservativ-strengen Umstände ihres dörflichen Lebens wirken realistisch und nachvollziehbar, die Eltern selbst aber auch liebevoll und warmherzig. Die wunderschön komponierten Bilder werden untermalt von einem sanften unaufdringlichen Score. Und in Alba August, die hier ihren ersten großen Kinoauftritt hat, findet der Film seine ideale Hauptdarstellerin, die in ihrer Rolle auf kongeniale Weise das freche und selbstbewusste Auftreten einer modernen jungen Frau mit der Verletzlichkeit und Unbekümmertheit eines unerfahrenen Mädchens verbindet.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Pernille Fischer Christensen
Darsteller:Alba August; Trine Dyrholm; Magnus Krepper; Björn Gustafsson; Maria Bonnevie; Henrik Rafaelsen; Eric Ericson; Ola Normelli
Drehbuch:Kim Fupz Aakeson; Pernille Fischer Christensen
Kamera:Erik Molberg Hansen
Schnitt:Åsa Mossberg; Kasper Leick
Musik:Nicklas Schmidt
Länge:123 Minuten
Kinostart:06.12.2018
Verleih:DCM
Produktion: Nordisk Film Production, Film i Väst; Avanti Film; DCM Productions;
FSK:6
Förderer:MBB; MDM

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Am 14. November 1987 feiert Astrid Lindgren ihren 80. Geburtstag. Wie in jedem Jahr erreichen die bekannteste Schriftstellerin Schwedens Säcke voller Post von Kindern aus ihrer Heimat und aller Welt. Darunter die Audiokassette einer vierten Klasse, die Lindgren nach ihren Wurzeln fragt. Diese Frage gibt dem Porträt die dramaturgische Klammer, die Zeichnungen und Briefe der Kinder erinnern im Laufe des Films immer wieder an ihre beliebten Kinderbücher.
„Unga Astrid“ – die „junge Astrid“ – so der Originaltitel – folgt dem Leben von Astrid Ericsson vom 16. bis ca. 24. Lebensjahr, in denen sie die entscheidenden Weichen im Leben stellt. Sie musste springen, wie es im Schlusslied heißt, um ihren Platz zu finden. In der Hauptrolle besetzte die dänische Regisseurin, die das Buch mit ihrem Mann, dem bekannten Kinderbuchautor Kim Fupz Aakeson, schrieb, die Newcomerin Alba August. Sie gibt der lebenslustigen, ein wenig verrückten Astrid auf dem steinigen Weg zur Emanzipation ein überzeugendes Gesicht.
Lindgren stammt aus Vimmerby in Småland, die Eltern leben als Bauern in einer protestantischen Gemeinde. Die gesellschaftlichen Regeln der stockkonservativen Gemeinde sind klar, aber die Eltern sind nicht engstirnig. Sie erkennen und fördern das Schreibtalent der Tochter, der sie ein Volontariat bei der örtlichen Zeitung ermöglichen. Später wird die Mutter Astrid ermutigen, nicht in eine Ehe zu schlittern, weil sie Mutter geworden ist. Durch diese Erfahrungen, das verdeutlicht der Film, werden die Familie und ihr Zusammenhalt für Lindgren stets das Wichtigste im Leben bleiben.
Astrid wird von ihrem Arbeitgeber schwanger. Auch bei der Schilderung dieser Beziehung gelingt es der Regisseurin, Astrid nicht zum Opfer zu machen und dem Mann die Würde zu lassen. Astrid erkennt, dass sie in der Beziehung in der Provinz keine Erfüllung finden wird. Der Preis dafür ist hoch. Ihren Sohn gebiert sie in Dänemark, wo er die ersten Jahre bei einer Pflegemutter aufwächst.
Der Ton des Films ist extrem sentimental, trägt aber nie zu dick auf und wirkt niemals verlogen, weil die Regisseurin andererseits die Rauheit bestimmter Situationen in keinster Weise leugnet oder die Gefühle von Ericsson beschönigt. Diese Balance führt dazu, dass der Zuschauer mit seinen eigenen Gefühlen kämpft und bewegt das Kino verlässt.