Lebe Deine Träume

Filmplakat: Lebe Deine Träume

FBW-Pressetext

Bewegendes Mutter-Tochter-Drama aus Indien, das von der Wichtigkeit der Bildung und der Notwendigkeit von Lebensträumen erzählt.

Appu hat wenig Lust, zur Schule zu gehen. Lernen findet sie doof und gute Noten überflüssig. Denn schließlich, und das weiß doch jeder, kann sie als Tochter eines Hausmädchens in Indien auch nur ein Hausmädchen werden. Diese Ansicht findet ihre Mutter Chanda gar nicht gut. Denn schließlich arbeitet sie jeden Tag sehr hart, um ihrer Tochter eine gute Bildung und eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Als Appu sich jedoch immer weniger Mühe im Unterricht zu geben scheint, greift Chanda zu einer drastischen Maßnahme: Sie meldet sich selbst an der Schule an und wird Appus neue Klassenkameradin. Und verspricht, die Klasse wieder zu verlassen, wenn Appu sich wirklich anstrengt, um ihre Zwischenprüfung zu bestehen. Fern von jedem Bollywood-Klischee erzählt die Filmemacherin Ashwiny Iyer Tiwari mit starken und schönen großen Bildern ihre Geschichte von Mutter und Tochter, die erst durch eine außergewöhnliche Situation ganz die Situation der jeweils anderen begreifen können. Die Geschichte ist packend erzählt und berührt auch durch das starke Spiel der Darstellerinnen. Gerade Swara Bhaskar als Chanda spielt mit sensibler Eindrücklichkeit eine junge Frau, die in grenzenloser Mutterliebe bereit ist, alles für ihre Tochter zu tun und zu opfern. Ganz nebenbei – und ohne erhobenen Zeigefinger – erzählt der Film dabei auch von den realen Umständen im bevölkerungsreichen Subkontinent Indien und den schwierigen Umständen der ärmeren Bevölkerungsschichten, die ihren Traum von einem besseren Leben nicht aufgeben, ihn aber nur unter erschwerten Bedingungen erfüllen können. Dies macht LEBE DEINE TRÄUME zu einem Film, der mit Herz und Verstand von wichtigen Themen erzählt und dem Zuschauer den Blick auf eine fremde Welt eröffnet.
Prädikat besonders wertvoll

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Filminfos

Gattung:Spielfilm
Regie:Ashwiny Iyer Tiwari
Darsteller:Swara Bhaskar; Ratna Pathak Shah; Riya Shukla; Pankaj Tripathi; Neha Prajapati; Prashant Tiwari; Vishal Nath
Drehbuch:Ashwiny Iyer Tiwari; Neeraj Singh; Pranjal Choudhary; Nitesh Tiwari
Kamera:Gavemic U. Ary
Schnitt:Chandrashekhar Prajapati
Musik:Naren Chandavarkar; Rohan-Vinayak; Vinayak Salvi; Rohan Utpat
Länge:100 Minuten
Verleih:Tiberius Film
Produktion: JAR Pictures, Colour Yellow Productions; Opticus; Sandman Pictures;
FSK:0

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Indische Spielfilme tragen zumeist die Handschrift Bollywoods – mit knallig bunten Farben, glamourösen Stories und einer relativ einfachen Botschaft. LEBE DEINE TRÄUME geht einen anderen Weg. Regisseurin Ashwiny Iyer Tiwari erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Chanda, die versucht, ihrer 15jährigen Tochter Appu ein Leben in Armut zu ersparen. Dazu muss Appu nur in der Schule aufpassen. Aber Pubertierende haben überall auf der Welt ganz anderes als Schule im Kopf und darum greift Chanda zu unvorhersehbaren Mitteln. Nach dem Motto: „Was ich von meiner Tochter verlange, dass muss ich auch von mir verlangen können“ setzt sich Chandra in Apus Klasse, um ihr beim Lernen helfen zu können.

Nach der Sichtung zeigte sich die Jury angenehm überrascht von der packenden Story, die Regisseurin Ashwiny Iyer Tiwari in genauso schöne wie elaborierte Bilder gepackt hat. Als wohltuend hat die Jury dabei die gelungene Entschleunigung des Films und tatsächlich auch dessen Schlichtheit empfunden, die im wohltuenden Kontrast zu vielen westlichen Produktionen steht. Immerhin erstreckt sich die Mutter-Tochter-Story über ganze 100 Minuten, ohne jemals Langeweile aufkommen zu lassen.

LEBE DEINE TRÄUME weist eine gut gemachte Entwicklung von Mutter und Tochter auf, Rückschläge inklusive. Zum einen zeigt er Chandas Weg von der hilflosen Mutter einer pubertierenden Tochter zur starken Persönlichkeit, zum anderen aber auch Appus Entwicklung von der „Null-Bock“-Traumtänzerin zum gereiften Charakter. Interessant dabei ist, dass mit Chanda die Müttergeneration entschieden progressiver auftritt als die Generation der Tochter. Sicherlich idealisiert LEBE DEINE TRÄUME, aber als Unterhaltungsfilm darf er das auch. Der Film beweist Herz und Haltung. Und so ist auch die Jury positiv bestärkt in die Diskussion gegangen.

Anders als in indischen Produktionen üblich, verzichtet Regisseurin Ashwiny Iyer Tiwari auf veritable Bösewichter und echte Kontrahenten. Es sind Charaktere und keine Bollywood-Karikaturen, die sie auftreten lässt, und die vermögen es dann auch, die Zuschauer zu binden. Auch wenn der Titel es vermuten lässt, LEBE DEINE TRÄUME ist kein kritikloser Film, im Gegenteil. Er verdeutlicht, dass es sich lohnt, für eine (wie auch immer geartete) Veränderung einzutreten, und zeigt auch, dass jegliches Phlegma oder Fatalismus einen bestenfalls auf der Stelle treten lassen. Anhand der Figur Chandas hat Tiwari aber auch die Diskriminierung von Frauen in Indien herausgearbeitet. Als die alleinerziehende Chanda von Männern als Hure beschimpft wird, zeigt sie, dass sie der Situation gewachsen ist und setzt sich gekonnt zur Wehr.

So schön und motivierend der Film auf der visuellen und der inhaltlichen Eben ist, so kritisch sieht die Jury die tonale Ebene. In der Diskussion kritisierte die Jury den dramaturgisch oft ein wenig beliebig eingesetzten Score, der ohne Rückkopplung an die Bildebene verwendet wird. Ähnlich kritisch sah die Jury auch die Synchronisation.

Doch zusammenfassend ist LEBE DEINE TRÄUME ein Film. der authentisch wirkt und dennoch Raum zum Träumen lässt, der emotional ist, aber nicht kitschig, der inspiriert, aber nicht belehren will. Ein Feelgood-Movie mit indischem Flair und viel Ambition. Nach ausführlicher Diskussion einigt sich die Jury darauf, dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“ zu verleihen.