United Interest

Filmplakat: United Interest

FBW-Pressetext

Durch San Franciso zieht ein Cable Car ganz ruhig seine Bahn. Immer geradeaus geht es, bis hin zur Mitte der Stadt. Doch der Weg ist lang und es kann viel passieren. Und manchmal ist eine Fahrt durch die Stadt wie eine Fahrt durch mehrere Jahrhunderte Geschichte. Der Filmemacher Tim Weimann benutzt für seinen neuesten Film UNITED INTEREST das dokumentarisch-historische Bildmaterial einer Cable-Car Fahrt als Folie für eine kunstvoll animierte Assoziationskette. Der Kapitalismus als wichtiger Teil der Geschichte der USA, die Skandale, die Schlagzeilen und die Krisen – Weimann packt dies alles in deutliche und provokative Symbole. Jeder Betrachter kann dabei, aufgrund der Vielfalt der dargestellten Objekte, eine eigene Geschichte entdecken, kann manche Andeutungen als Erinnerung abrufen, manch andere auch auf der Strecke liegen lassen. Weimann unterlegt die finalen Bilder des Films mit einem basslastigen Score, der immer deutlicher wird und eine Atmosphäre der Angst und Unterdrückung schafft. Zu sehen ist dazu ist die Pyramide, die auf dem Dollarschein abgebildet ist. Weimann inszeniert sie bedrohlich – und lässt sie brennen. UNITED INTEREST ist eine subversive, hochkreative und bildstarke Abrechnung mit der Macht und Perversion des Kapitals.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Kurzfilm
Regie:Tim Weimann
Drehbuch:Tim Weimann
Schnitt:Tim Weimann
Musik:Dario Albiez
Länge:8 Minuten
Verleih:Interfilm Berlin
Produktion: Film Boutique Katharina Jakobs und Markéta Polednová GbR
Förderer:Film- und Medienstiftung NRW

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Eine Straßenbahnfahrt durch eine Allee in den USA. Die Stadt ist San Francisco, doch genau so könnte es auch die Wall Street sein. Wir schreiben das Jahr 1906. Ein Jahr zuvor hatte ein Erdbeben in der Metropole am Pazifik gewütet, davon fehlt jede Spur. Den knapp neun Minuten langen Filmstreifen nutzt Regisseur Tim Weimann für eine kapitalismuskritische Zeitreise durch die Geschichte der USA. Er montiert 2D- und 3D-Figuren in das sw-Film-Material, die jeweils Symbol für ein historisches Ereignis oder Werbemarken sind. Sie haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt und sind schnell einzuordnen. Die Fahrt wird zu einer effektvollen, symbolträchtigen und auch witzigen Collage, wenn etwa stellvertretend für den Kalten Krieg der Astronaut Neil Armstrong die sowjetische Weltraumhündin Laika mit der Mond-Fahne piesackt.
Die Aufbruchsstimmung in der pulsierenden Stadt wechselt zu Depression und Niedergang nach dem Börsencrash des Jahres 1929. Noch einmal erlebt der Kapitalismus eine Blütezeit, doch die Zeichen der Krise werden deutlicher. Bin Laden winkt aus der Bahn, ein weiterer Börsencrash folgt. Das Tempo und der Rhythmus des Films ziehen an, immer schneller folgen die einzelnen Bilder, bis die Fahrt an der Pyramide des Dollars mit dem darüber wachenden Auge endet, in die sich das Rathaus verwandelt hat. Das Geld regiert die Welt, nicht der Bürger.
Die Botschaft des Films ist unmissverständlich. Er hat nicht die Absicht, neuen Einsichten zu vermitteln. Er möchte daran erinnern, dass jedes fortschrittliche Gesellschaftssystem pervertieren kann, wenn bestimmte Parameter verrutschen und der Mensch sie nicht korrigiert. Er richtet den Blick über das einzelne Phänomen hinaus auf Zusammenhänge. Er warnt vor der wilden Entfesselung des kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, das ohne soziales Korrektiv bald nicht mehr zu kontrollieren ist und dessen Fehlentwicklungen nicht zu korrigieren sein könnten.