Symbolic Threats

Filmplakat: Symbolic Threats

FBW-Pressetext

Brooklyn Bridge, New York City, 22. Juli 2014: Bei einer Nacht- und Nebel-Aktion entfernt das Künstlerduo Wermke/Leinkauf die amerikanischen Flaggen, die die beiden Türme der Hängebrücke zieren, und hissen stattdessen zwei weiße amerikanische Flaggen. In ihrem Dokumentarfilm SYMBOLIC THREATS dokumentieren sie die Aktion und stellen zugleich öffentliche und mediale Entrüstung und Verunsicherung dar und bloß. Beiträge von Nachrichtensendern, Statements von Polizeisprechern und Einschätzungen von Experten spiegeln eine Hysterie wider, die nur als Symptom des nationalen Schocks 9/11 erklärt werden kann. Für den Zuschauer sind die Reaktionen, die von schnaubend-wütend bis amerikanisch-patriotisch reichen, in ihrer gelungenen und gut aufeinander abgestimmten Montage höchst amüsant. Und doch macht sich der Film, der in Zusammenarbeit mit dem Kurator und Kulturwissenschaftler Lutz Henke entstanden ist, in keiner Weise über die USA lustig. Vielmehr zeigt er die Brooklyn Bridge als ein Symbol einer Nation, die in ihrer tief empfundenen und oftmals überspielten Verunsicherung alles über die Freiheit des Einzelnen und der Kunst stellt. Eben jener Gedanke ist es denn auch, den einige Befragte in den Beiträgen dann auch zur Kunstaktion der deutschen Filmemacher äußern. Denn der Gedanke, dass die Weiße Flagge auch ein Symbol des Friedens ist, sollte nie vergessen werden. SYMBOLIC THREATS ist kluge und entlarvende Filmkunst par excellence.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm; Kurzfilm
Regie:Mischa Leinkauf; Matthias Wermke; Lutz Henke
Drehbuch:Mischa Leinkauf; Matthias Wermke; Lutz Henke
Schnitt:Mischa Leinkauf
Länge:14 Minuten
Kontakt:studio@wermke-leinkauf.com
Produktion: Wermke/Leinkauf GbR

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Am 7. April 2014 hatte Bill de Blasio, Bürgermeister von New York, den neuen Kulturbeauftragten der Stadt mit folgenden Worten vorgestellt: „eine Demokratie kann nicht funktionieren ohne eine starke Kultur und ohne die Möglichkeit für Künstler aller Arten, sich auszudrücken, uns herauszufordern, uns zum Nachdenken zu bringen, uns auch zu provozieren…“
Im Juli 2014 wehten auf den beiden Türmen eines der berühmtesten Wahrzeichen New Yorks, der Brooklyn-Bridge statt den Sternenbannern zwei weiße Flaggen. In der post-traumatischen Hysterie der Amerikaner nach 9/11 gerieten Stadtverwaltung, Polizei, Sicherheitsdienst und Politiker in panischen Aktionismus. Was bedeuteten die beiden weißen Banner? Symbol für einen terroristischen Anschlag gegen Stadt und Staat oder nur ein dummer Streich von Unbekannten? Kunst oder Bedrohung? Die Empörung über die mangelhafte Sicherung der Brücke war groß und die Diskussion über Konsequenzen beherrschten Presse und Bevölkerung. Man sprach sogar von Straftat.
Die Aktion „White American Flags“ stellt einmal mehr unter Beweis, wie eine bloße Optik viel von der amerikanischen Gegenwartspsychose offen legen kann und die latente Angst von einer Bedrohung von außen zu geradezu aberwitzigen Verhaltensmustern führt.
Dem Team um Mischa Leinkauf, Lutz Henke und Matthias Wermke gelingt auf unaufgeregte Weise und mit perfekt montierten Bildern ein eindrucksvolles Zeugnis über den Spielraum von Kunst und seine Wirkung und Fehlwirkung auf die amerikanische und vielleicht auch unsere Gesellschaft.