Summer Saturn

FBW-Pressetext

Samuel ist Musiker, doch noch lässt der Durchbruch auf sich warten. Für ein Konzert reist er nach Lissabon. Um Geld zu sparen, wohnt er bei Teresa, der Mutter seiner Freundin. Und während sich Samuel während seines Aufenthaltes klar werden muss, ob er mit fast 35 Jahren noch immer an einen Traum glauben soll, der sich vielleicht nie erfüllt, beschäftigt sich auch Teresa immer mehr mit ihrem Alter. Denn auch sie hat zu viele Träume, die noch nicht erfüllt wurden. Von Anfang an spürt man in Monica Limas SUMMER SATURN ein sinnliches Knistern zwischen den beiden Hauptfiguren Teresa und Samuel, die von Rita Loureiro und Jaime Freitas überzeugend gespielt werden. Wie zwei Sterne kreisen beide umeinander, beide in ihrer eigenen Welt und doch zusammen in der Einheit der Wohnung, die mal dunkel und kühl, mal warm und lichtdurchflutet von einer exzellenten Kamera in Szene gesetzt wird. Die Dialoge sind reduziert, Lima arbeitet überwiegend mit Blicken und Gesten. Das alles macht SUMMER SATURN zu einem sehr ruhigen, reifen und sinnlich gestalteten Kurzfilmerlebnis.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Kurzfilm; Fiction
Regie:Mónica Lima
Darsteller:Rita Loureiro; Jaime Freitas; Nuno Nunes; Joana de Verona
Drehbuch:Mónica Lima; Gonçalo Branco
Kamera:David Wilhelm Schmitt
Schnitt:Mónica Lima; Gonçalo Branco
Länge:30 Minuten
Verleih:DFFB
Produktion: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH (DFFB)
Förderer:dffb

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Mit seinen knapp 35 Jahren steht der portugiesische Musiker Samuel an einem Wendepunkt seines Lebens. Zu seinem nächsten Geburtstag, so hat er sich selbst geschworen, muss er es geschafft haben mit seiner Musik, sonst lässt er es sein. Normalerweise lebt er mit seiner Freundin im fernen Berlin, doch dann kommt er für einen Gig nach Lissabon und wohnt dort für einige Tage bei Teresa, der Mutter seiner Freundin. Und in dieser Zeit entsteht zwischen den beiden verlorenen Seelen ein Spiel zwischen Anziehung und Zurückweichen, voller Intimität und Nähe, aber auch voller Erschrecken vor den Gefühlen, die sie durchströmen.

Geschickt versteht es Monica Lima in ihrem Film, immer wieder falsche Fährten auszulegen und Möglichkeiten aufzuzeigen, in deren Richtung sich der Film entwickeln könnte. Eine Berührung da, ein Gespräch dort, eine Geste hier, eine Lichtstimmung, ein Blickwechsel - viel mehr braucht es nicht, um die Luft zwischen den beiden Charakteren knistern zu lassen. Aus der im Grunde recht einfachen Geschichte eines zeitlich begrenzten Zusammentreffens entsteht so ein vielschichtiger Plot, der ohne große Vorkenntnis der Back Story von Samuel und Teresa das Lebensgefühl zweier Menschen entstehen lässt, die geheimnisvoll sind, aber niemals abweisend wirken.

Wie in dem Musikstück, das Samuel später bei seinem Konzert vortragen wird, überlagern sich auch in den Film verschiedene Schichten, nimmt die Geschichte immer wieder Anlauf, erzeugt Loops und Rückkopplungen, die einen narrativen wie ästhetischen Teppich erzeugen, der das Kunststück schafft, zugleich voller Melancholie als auch Lebensfreude zu sein. Ein sinnlicher Film, dessen Atmosphäre gefangen nimmt.