Simpel

Kinostart: 09.11.17
2017
Filmplakat: Simpel

FBW-Pressetext

Berührendes Road-Movie über einen jungen Mann, der mit seinem geistig zurückgebliebenen Bruder nach Hamburg abhaut, um zu verhindern, dass dieser in ein Heim gesteckt wird.

Barnabas ist anders. Bei seiner Geburt erhielt sein Gehirn zu wenig Sauerstoff – und so ist der inzwischen 22-Jährige auf dem geistigen Stand eines Kindes geblieben. Sein Bruder Ben nennt Barnabas „Simpel“ und liebt ihn so sehr, dass er sein eigenes Leben hintenanstellt, um sich mit ganzer Kraft um Simpel und seine schwer kranke Mutter zu kümmern. Doch dann stirbt die Mutter und die Polizei will Simpel in ein Heim bringen. Für Ben eine Vorstellung, die er nicht ertragen kann. Und so hauen die beiden ab nach Hamburg, wo der Vater der beiden lebt. Ben ist entschlossen, für sich und Simpel eine gemeinsame Lösung zu finden. Doch er muss schnell feststellen, dass er Simpel nicht immer kontrollieren kann. Und das Leben erst recht nicht. Der neue Film von Markus Goller ist einer dieser Filme, die mit ihrer Geschichte fesseln und mit ihren Figuren berühren. Mit großer Spannung folgt man Ben und Simpel auf ihrem abenteuerlichen Road Trip nach und durch Hamburg und bekommt das Gefühl, einen Teil des Weges mit diesen zwei wunderbaren Charakteren teilen zu können. David Kross gelingt es eindrucksvoll, Simpels Behinderung glaubhaft darstellen zu können, ohne jemals ins Grimassenhafte abzudriften oder falsches Mitleid zu erwecken. Denn Simpel ist ein großartiger Mensch mit Humor, Stolz und auch Weisheit. Und einmal wieder gelingt es Frederick Lau, in sein Spiel eine solche Intensität, Wärme und Entschlossenheit zu legen, dass man ihm alles glaubt: Die Verzweiflung, die Verbissenheit, die Liebe zu Simpel. Kross und Lau agieren ungemein harmonisch miteinander und so tragen sie die berührende Geschichte, die angefüllt ist mit grundsympathischen Nebenfiguren, u.a. Emilia Schüle und Axel Stein als neue Freunde, einem stimmungsvollen Soundtrack und wunderbar eingefangenen Aufnahmen Hamburgs. Doch wie die exzellente Kamera romantisiert auch das Drehbuch von Dirk Ahner und Markus Goller die Problematik nicht. Der Film spricht Probleme an, die viele Betroffenen nachvollziehen können, und malt die Welt nicht rosarot. Und doch ist man als Zuschauer bis zum Schluss des Films erfüllt von einem wunderbaren Gefühl der Herzenswärme, die SIMPEL durchzieht.

Filminfos

Gattung:Drama; Komödie; Spielfilm
Regie:Markus Goller
Darsteller:Frederick Lau; David Kross; Emilia Schüle; Devid Striesow; Annette Frier; Axel Stein; Anneke Kim Sarnau; Tim Wilde; David Berton; Maxim Kovalevski; Oscar Ortega Sánchez; Ludger Pistor; Uwe Rohde
Drehbuch:Dirk Ahner; Markus Goller
Buchvorlage:Marie-Aude Murail
Kamera:Ueli Steiger
Schnitt:Markus Goller; Tina Freitag
Musik:Andrej Melita
Webseite:simpel-film.de;
Länge:113 Minuten
Kinostart:09.11.2017
Verleih:Universum
Produktion: Letterbox Filmproduktion GmbH, C-FILMS; Amalia Film; ZDF;
FSK:6
Förderer:FFA; FFF Bayern; Nordmedia; DFFF; FFHSH

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Ben gehört zu den Menschen, die ihr Leben bedingungslos für andere einzusetzen vermögen, auch unter Verzicht auf alle eigenen Lebenswünsche.
Ben lebt zusammen mit seinem geistig behinderten Bruder Barnabas – Simpel genannt – und seiner todkranken Mutter in einem Bauernhaus hinter dem Deich am Meer. Liebevoll pflegt er seine Mutter und ist in unverbrüchlicher Bruderliebe und Fürsorge für Simpel da. Jetzt stirbt seine Mutter und der Vater der Brüder im fernen Hamburg, seit vielen Jahren ohne Kontakt zu Ihnen, bestimmt, dass Simpel nicht in der Fürsorge von Ben bleiben darf und stattdessen in ein Heim gebracht werden soll.
Ben widersetzt sich Polizei und Anstaltsleitung und flüchtet mit Simpel nach Hamburg. Dort beginnt eine mehrtätige Odyssee auf der Suche nach dem Vater und der Lösung ihrer Probleme, die sie nur mit der Hilfe von neuen Freunden erreichen können – der Medizinstudentin Aria und dem Sanitäter Enzo.
Autor und Regisseur Markus Goller gelang mit Bravour die Meisterung eines sicher nicht ganz einfachen Stoffes. Mit sicherer Hand inszenierte er sehr sensibel dieses nicht ganz alltägliche Thema ernsthaft, aber dennoch unterhaltsam. Weder romantisierend, noch zu sehr dramatisierend, noch ab triftend ins Komödiantische.
Dank eines glänzenden Drehbuchs und einem schönen Set-Design führt uns der Film an gut gewählte Schauplätze in Hamburg, bei der vor allem die unterschiedlichen Reaktionen von Simpel auf die für ihn so ungewohnte neue Welt und umgekehrt gut beobachtet eingefangen werden. So wird Simpel mit seiner Behinderung nie „ausgestellt“ und der Lächerlichkeit preisgegeben. Dies ist aber auch in erster Linie dem großartigen und glaubhaften Spiel von David Kross zu verdanken, der unter einer sicheren Führung der Regie zu einer sensationellen Leistung kommt. Hervorragend auch das Spiel von Frederick Lau als Ben, dessen Gesicht alle seine Liebe zum Bruder und den gleichzeitigen Verzicht auf ein erfülltes eigenes Leben widerspiegelt. Emilia Schüle als Freundin Aria in der Not steht den Beiden mit ihrem guten Spiel nicht nach und zeigt im Kontrast zu Ben, dass Alleinsein in dieser Welt auch nicht unbedingt zur Erfüllung aller Träume führen kann.
Eine schöne Kamera, eine präzise Montage und ein sehr passender Sound-Design gehören zu den weiteren guten handwerklichen Leistungen in diesem gelungenen Filmwerk.