Nocturnal Animals

Filmstart: 22.12.16
2016
Filmplakat: Nocturnal Animals

FBW-Pressetext

Susan ist unglücklich. Obwohl sie eine Galerie besitzt, in zweiter Ehe mit einem erfolgreichen Geschäftsmann verheiratet ist und gesellschaftlichen Umgang in angemessenen Kreisen pflegt, fehlt ihr etwas. Doch Susan weiß nicht, was. Bis sie Post von ihrem ersten Mann Edward erhält. Edward ist Schriftsteller, ohne viel Ehrgeiz oder Antrieb. Nicht nur deswegen hat Susan ihn damals verlassen. Doch nun liegt da Edwards neues Werk vor ihr. Es heißt „Nocturnal Animals“ und zieht Susan sofort in seinen Bann. So steigt sie ein in die Geschichte von Tony, seiner Frau Laura und ihrer Tochter, die mit dem Auto in den Urlaub fahren. In der Nacht treffen sie auf einer verlassenen Straße auf eine Gang. Was dann passiert, verändert ihr Leben für immer. Und, wie Susan beim Lesen merkt, auch das ihre Stück für Stück. Tom Fords NOCTURNAL ANIMALS erzeugt von Beginn an einen kühl inszenierten und dennoch sinnlich betörenden Rausch. Jedes Bild ein Kunstwerk, jede Einstellung eine inszenatorische Meisterleistung. Zusammengehalten von einer Geschichte, die spiralförmig und wie in einem guten Thriller üblich, auf einen großen spannenden Höhepunkt zusteuert. Die Geschichte in der Geschichte, also die Romanerzählung, ist dabei ebenso wichtig wie die sphärische Rahmenhandlung rund um Susan, die wie der eigentliche Traum, eine erdachte Geschichte wirkt, wogegen die „fiktive“ Handlung fast schon realistisch anmutet. So ist der Zuschauer gemeinsam mit Susan ein Gefangener eines spannenden und sich stets verdichtenden Rätsels. Tom Ford inszeniert Amy Adams, Jake Gyllenhall, Michael Shannon und Aaron Tyler-Johnson als klassische Thriller- und Film Noir-Figuren. Gerade Adams als Susan ist sensationell vielschichtig angelegt zwischen verführerischer und kalkulierend denkender Frau und dem sehnsüchtig träumenden Mädchen von einst. Die Musik von Abel Korzeniowski ist ein mitreißender Score, ein Spiegelbild der widersprüchlichen Gefühle, die hier von einer perfekten Inszenierung in symbolischen Bildern auf die Leinwand gebannt werden. Am Ende von NOCTURNAL ANIMALS verlässt die Kamera Susan. Und der Zuschauer bleibt fasziniert und bewegt zurück. Tom Fords zweiter Film ist große und formvollendete Filmkunst.
Prädikat besonders wertvoll

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Filminfos

Gattung:Drama; Thriller; Spielfilm
Regie:Tom Ford
Darsteller:Amy Adams; Jake Gyllenhaal; Michael Shannon; Aaron Taylor-Johnson; Isla Fisher; Ellie Bamber; Armie Hammer; Karl Glusman; Robert Aramayo; Laura Linney; Andrea Riseborough; Michael Sheen
Drehbuch:Austin Wright
Buchvorlage:Austin Wright
Kamera:Seamus McGarvey
Schnitt:Joan Sobel
Musik:Abel Korzeniowski
Länge:117 Minuten
Kinostart:22.12.2016
Verleih:Universal
Produktion: Fade to Black Productions, Focus Features, Universal Pictures;

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Auch der zweite Film des Modedesigners und Regisseurs Tom Ford, sieben Jahre nach seinem viel beachteten Regiedebüt A SINGLE MAN, überzeugt durch seine kunstvolle Erzählung, opulente Bilder und eine atemberaubende Ausstattung. Basierend auf der Novelle „Tony and Susan“ von Austin Wright erzählt er die Geschichte der Kunstgaleristin Susan Morrow, die erfolgreich und privilegiert in L.A. lebt. Ihre Ehe ist abgekühlt, in ihrem Beruf hält sie sich selbst für zynisch. Als sie ein Paket mit dem Roman ihres Ex-Ehemanns Edward erhält, gerät sie in den Sog des grausamen Thrillers um einen Mann, dessen Frau und Tochter entführt und brutal ermordet wurden. Die Lektüre wirft sie auf ihre eigene Vergangenheit zurück und zwingt sie dazu, ihre Lebensentscheidungen in einem neuen Licht zu sehen.

Das ausgezeichnete Drehbuch, selbst verfasst von Regisseur Tom Ford, entfaltet sukzessive die drei Ebenen des Films und verzahnt sie brillant miteinander. Die Zeitebenen sind genau und kunstfertig eingesetzt. Man ist mittendrin, weiß aber nie, wie es weitergeht. Von besonderer Faszination ist die Bildgestaltung des Kameramanns Seamus McGarvey: Strenge Formen und klare Kamerafahrten zeigen die Kunstwelt und das luxuriöse Setting in L.A., verstörende Bilder verdichten die Neo-noir Erzählung in der Wüste von Texas, hinzukommen die Flashbacks der Beziehung von Susan und Edward.
Die präzise Psychologie der Geschichte wird von den Schauspielern kongenial umgesetzt. Amy Adams zeigt eine Susan, deren privilegierte Welt immer brüchiger wird. Sie war es, die sich von Edward getrennt und das gemeinsame Kind abgetrieben hatte. In der Mitte des Films fragt sie ihre Assistentin: „Hast Du jemals das Gefühl, dass dein Leben in eine Richtung läuft, die Du nie beabsichtigt hattest?“. Jake Gyllenhaal spielt sowohl den sanften, wenig ehrgeizigen Ex-Mann Edward als auch den verzweifelten Tony Hastings des Romans, der Rache für den Mord an Frau und Tochter nimmt. Aaron Taylor-Johnson als sadistischer Psychopath lässt schon bei seinem ersten Auftritt die physische Bedrohung und die herannahende Katastrophe spüren.

Dem kunstvoll verwobenen Film gelingt es von Anfang bis Ende den Spannungsbogen zu halten. Erst wenn alle Ebenen durchlebt worden sind und die Geschichte wieder bei der Hauptfigur ankommt, ist sie auch wirklich zu Ende erzählt. In der Schlusseinstellung, die an ein japanisches Gemälde erinnert, zeigt sich nochmals das hohe ästhetische Niveau des Films. NOCTURNAL ANIMALS ist ein perfektes Gesamtkunstwerk, in dem jedes Department auf höchstem Niveau gearbeitet hat. Der Film zeigt, was Kino kann.