Nicht ohne uns!

Filmstart: 19.01.17
2016
Filmplakat: Nicht ohne uns!

FBW-Pressetext

Vincent wohnt mit seiner Familie auf einer Berghütte in Österreich. Einen richtigen gepflasterten Weg runter ins Dorf gibt es nicht. Zur Schule muss Vincent dennoch. Und so macht er sich mit Skiern auf. Skier braucht Sanjana aus Indien nicht. Dafür muss sie andere Hindernisse auf ihrem Weg zur Schule überwinden, denn sie lebt im Rotlichtviertel einer kleineren Stadt. Und Alphonsine kann, wenn sie an der Elfenbeinküste zur Schule geht, nicht mit den anderen am Unterricht teilnehmen. Denn sie muss Essen verkaufen. Schulbildung hält ihre Familie für sinnlos. Vincent, Sanjana und Alphonsine sind nur drei der kleinen Helden aus NICHT OHNE UNS!, einem Dokumentarfilm für Kinder von Sigrid Klausmann. Die Filmemacherin hat auf der ganzen Welt Kinder auf ihrem Weg zur Schule begleitet. Doch bei den Gesprächen mit den Kindern geht es dem Film um viel mehr als nur die unterschiedlichen Alltagsbedingungen aufzuzeigen, die es den Kindern manchmal schwer und manchmal schier unmöglich machen, Bildung zu erhalten. Der Film zeigt auch und vor allem, wie großartig reflektiert Kinder mit ihrer Lebenssituation umgehen. Da gibt es Sai, die mit ihren Eltern aus Indien gekommen ist und nun in New York lebt. Sie ist gut in der Schule und weiß schon jetzt, als kleines Mädchen, dass ihre Chance ein Privileg ist. Sie will später einmal Ärztin werden und ärmeren Menschen helfen. Und da gibt es Jafer, der als Kriegsflüchtling im Irak lebt. Für ihn gibt es nur ein Ziel: Später einmal die Bösen daran hindern, andere zu töten und Krieg zu führen. Der Mut und die Klugheit dieser Kinder und auch die immer durchscheinende kindliche Fröhlichkeit fängt der Film in diesem Kaleidoskop an Eindrücken wunderbar ein. Begleitet wird der Film, dem sorgfältige Recherche zu Grunde liegt, von einem Web-Projekt namens „199 kleine Helden“, das das Ziel verfolgt, Kindern und Jugendlichen aus jedem Teil der Erde durch Filme eine Stimme zu geben. Dazu erfüllt der Film noch die wichtige Aufgabe, für Kinder und Jugendliche hier das Fenster zur Welt ein Stückchen zu öffnen. Und um zu zeigen, dass es trotz aller Unterschiede gemeinsame Ziele gibt: Ein gutes Leben. Eine faire Chance. Und Bildung. Denn die Kinder auf der ganzen Welt sind die einzige Garantie für eine bessere Zukunft. Und die Helden in Sigrid Klausmanns Film sagen deutlich: „Wenn es diese Zukunft geben soll, dann nicht ohne uns!“ Ein wichtiger Dokumentarfilm mit einer noch wichtigeren Botschaft – empfehlenswert, nicht nur für kleine Helden!
Prädikat besonders wertvoll

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Prädikat besonders wertvoll

Der Weg zur Schule gehört zu den existentiellen Elementen des Lebens. Jeder Erwachsene kann sich an seine Schulwege erinnern, jedes Kind lebt in dieser Erfahrung und kann diese genau mit der von anderen Schülern und Schülerinnen vergleichen. Und gerade bei Schulwegen werden kulturelle sowie soziale Unterschiede konkret und eindrucksvoll deutlich. So ist das Konzept von Sigrid Klausmanns Dokumentarfilm NICHT OHNE UNS! sehr einleuchtend: Sie zeigt 16 Kinder in fünf Kontinenten auf ihren Schulwegen und lässt sie dabei selbst diesen Weg beschreiben und davon erzählen, was ihnen Spaß oder Angst macht, was sie sich wünschen und was sie entbehren müssen, wie sie von den Erwachsenen behandelt werden und welche Träume sie für ihre Zukunft haben. Einen großen Teil dieser Filmsegmente hat Sigrid Klausmann selber gedreht, andere von kleinen Drehteams vor Ort produzieren lassen, und eine der Qualitäten des Film besteht darin, dass der Zuschauer die einen nicht von den anderen unterscheiden kann. Nun ist es unmöglich, 16 verschiedenen Kindern in 87 Filmminuten gerecht zu werden, und deshalb war es eine kluge Entscheidung der Regisseurin, eine Handvoll von ihnen intensiver vorzustellen und die andern in wenigen und kurzen Sequenzen zu zeigen. Finya aus Deutschland taucht etwa nur für wenige Momente auf und erzählt von ihren Zukunftsängsten, während die Kamera immer wieder zu Alphosine aus der Elfenbeinküste zurückkehrt, die mit dem Schulessen auf dem Kopf beladen aufrecht durch die Steppe läuft und ein sehr trauriges Schicksal tragen muss. Klausmann konzentriert sich konsequent auf die Kinder – und dadurch bekommt man einen intensiven Eindruck sowohl von den einzelnen Individuen wie auch von den Zuständen, unter denen sie leben. Ein Mädchen in der Schweiz ist fast blind und muss sich ihren Weg zur Schule mit dem Stock ertasten, ein Junge lebt in einer Township in Südafrika unter Verbrechern und Prostituierten und macht sich auf den gefährlichen Weg zur Schule, obwohl er HIV-positiv ist, ein Junge aus Österreich lebt hoch in den Bergen auf einer Almhütte und sein Schulweg im Winter ist eine rasante Skiabfahrt und ein offensichtlich in privilegierten Umständen lebendes Mädchen aus Indien erzählt davon, wie es in seiner neuen Heimat New York von anderen Kindern als Ausländerin beschimpft wurde. Der Film ist prall gefüllt mit solchen wahrhaften, erschütternden, philosophischen und spielerischen Momenten, und Sigrid Klausmann präsentiert sie wie in einem Kaleidoskop. Dabei sorgen der fließende Schnitt und die beruhigend stimmungsvolle Musik dafür, dass der Film trotz der ständigen Wechsel nie hektisch oder überfüllt wirkt. Er folgt der Chronologie der Schulwege – alle brechen gemeinsam auf, kommen am Ende in der Schule an und haben zwischendurch in einer schön geschnittenen Montage von Momentaufnahmen auch ein wenig Zeit dafür, zu spielen und zu lachen. Bei älteren wie bei jungen Zuschauern weckt der Film Empathie für seine kleinen Protagonisten, die sich zugleich so verletzlich und voller Energie, Hoffnung und Neugierde darum bemühen, etwas zu lernen und so ihr Leben und die Zukunft zu gestalten.