Die Mitte der Welt

Filmplakat: Die Mitte der Welt

FBW-Pressetext

Andreas Steinhöfels preisgekrönter Roman DIE MITTE DER WELT ist die Vorlage für die herausragende Coming-of-Age Verfilmung von Jakob M. Erwa. Als der 17jährige Phil nach längerer Abwesenheit nach Hause zurückkehrt, erlebt er dort ein heftiges Gefühlschaos. Mit seiner bislang eng vertrauten Zwillingsschwester Dianne herrscht unerklärliche Funkstille und seine attraktive exzentrische Mutter, die mit einem neuen Liebhaber daherkommt, will den Namen seines Vaters nach wie vor nicht preisgeben. Doch dies nicht genug, verliebt Phil sich in einen Schulkameraden und erlebt seine erste große Liebe. Der Film überzeugt durch sein großartiges Cast und seine kunstvolle Inszenierung. Handwerklich auf höchstem Niveau folgen alle Gewerke einer klug durchdachten Konzeption. Kameramann Ngo The Chau fängt wunderschöne stimmungsvolle Bilder ein. Trotz der ernsthaft geschilderten Dramen, die die Figuren mitreißend bewegen, atmet der Film insgesamt eine wohltuende Leichtigkeit und Lebensfreude, wozu auch die hervorragend ausgewählten poppigen Songs beitragen. Gleichzeitig schafft DIE MITTE DER WELT eine differenzierte psychologische Tiefe in der Zeichnung seiner Figuren, die er mit großer Wärme und augenzwinkerndem Witz erzählt. DIE MITTE DER WELT ist ein wunderschöner sinnlicher Film mit genialem Soundtrack.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm; Coming-of-Age
Regie:Jakob M. Erwa
Darsteller:Louis Hofmann; Sabine Timoteo; Jannik Schümann; Ada Philine Stappenbeck; Inka Friedrich; Nina Proll; Svenja Jung; Sascha Alexander Gersak; , Clemens Rehbein
Drehbuch:Jakob M. Erwa
Buchvorlage:Andreas Steinhöfel
Kamera:Ngo The Chau
Schnitt:Carlotta Kittel
Musik:Paul Gallister
Webseite:mitte-der-welt-film.de;
Länge:116 Minuten
Kinostart:10.11.2016
Verleih:Universum
Produktion: Neue Schönhauser Filmproduktion, Prisma Film; Universum Film (UFA); mojo:pictures; Westdeutscher Rundfunk (WDR); Bayerischer Rundfunk (BR); ARTE; Österreichischer Rundfunk;
FSK:12
Förderer:Film- und Medienstiftung NRW

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.

Der in Berlin lebende österreichische Regisseur Jakob M. Erwa wird mit DIE MITTE DER WELT seinem Ruf als einer der talentiertesten Nachwuchsregisseure gerecht. 2007 realisierte er seinen mehrfach ausgezeichneten Abschlussfilm HEILE WELT, der bei der Diagonale als bester einheimischer Spielfilm 2006/07 und auf dem Filmfest Oldenburg mit dem German Independence Award ausgezeichnet wurde. Sein zweiter Film HOMESICK wurde 2015 zur Berlinale eingeladen. Für diesen Film wurde er mit dem Bayerischen Filmpreis als Bester Nachwuchsregisseur geehrt.
In der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Andreas Steinhöfel bleibt Erwa dem Roten Faden in seinem Oeuvre treu. Einmal mehr erzählt er virtuos von den Schwierigkeiten Pubertierender, sich in der Welt der Erwachsenen zu orientieren und ihren Platz – die eigene Mitte - zu finden.
Im Zentrum des Coming-of-Age-Dramas steht der 17jährige Phil, der gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester Dianne in einem abgelegenen Haus aufwächst, das mitten in einem wilden Garten steht. Die Teenager genießen bei ihrer exzentrischen Mutter, die sich nicht um Konventionen schert, alle Freiheiten. Und wenn es mal knallt, vermittelt die Tante, die in einer lesbischen Beziehung lebt.
Als Phil nach einem Jugendlager wieder nach Hause kommt, ist nichts mehr wie es war. Ein Sturm hat eine Schneise der Verwüstung durch die Wälder nahe des Hauses geschlagen. Und Dianne, stets seine engste Vertraute, lebt mit der Mutter in offenem Streit. Phil will vermitteln, doch die Familie tritt in seinem Leben bald in den Hintergrund. Er erlebt sein Coming-Out und die erste Liebe mit dem neuen Mitschüler Nicholas, für die er die Freundschaft mit seiner besten Freundin Kat vernachlässigt.
Der poetische Film ist ein kleines Juwel, Erwa ist einer der besten deutschen Coming-of-Age-Filme gelungen, in dem Gegenwart und Vergangenheit fließend ineinander übergehen. Jede Figur hat einst Narben und Verletzungen davongetragen, die sie bis heute bedrücken. Jede hat Geheimnisse, die langsam entblättert und stets zum richtigen Zeitpunkt aufgelöst werden. Nur eines bleibt im Dunkel: Phil kennt den Namen seines Vaters noch immer nicht.
Alle Gewerke unterstützen grandios die inhaltlichen Aussagen des Films. Das beginnt beim exzellenten Casting. Die jungen Darsteller, die Phil und Diane als Kinder verkörpern, sind überragend gut geführt, so dass sie die Zwischentöne in den Gefühlen der beiden genau treffen. Eine Entdeckung ist der charmante Louis Hofmann als jugendlicher Phil, auf dessen Gesicht sich alle Emotionen des Jungen widerspiegeln. Und nicht zuletzt überzeugt die großartige Sabine Timoteo als geheimnisvolle Mutter, die in jugendlichen Trotz und Verhalten gefangen gebelieben ist.
Kameramann Ngo The Chau drückte dem Film mit atmosphärisch stimmigen Bildern den Stempel auf. Er schuf sinnliche Bilder, die zu Assoziationen einladen und Metaphern schaffen. Die Gefühle der Figuren nimmt er in jeder Szene auf. Das Farbkonzept unterstreicht die Stimmungswechsel Phils, der zwischen den großen Hoffnungen und den Unsicherheiten der ersten Liebe schwankt. Auch die Musik wird exzeptionell in den Dienst der Geschichte gestellt.
Erwa erzählt von der ersten Liebe und dem Abnabelungsprozess von den Eltern mit großer Wahrhaftigkeit und doch leicht märchenhaft überhöht. Trotz aller Dramatik und Tragik des Geschehens, atmet der Film Leichtigkeit, Lebensfreude und Optimismus.